Alpár Ágnes: A kabaré - A fővárosi kabarék műsora, 1945-1980 (MSZI, Budapest, 1981)
Resume
Die wie Pilze hervorschießenden Kabaretten, Varietes verschiedenster Namens haben ihre Tätigkeit bald eingestellt, als sich die falsche Meinung prägte, daß Humor und Satire ungesunde, selbstbezweckte Phänomene seien, denen in einer Gesellschaft, welche die Grundlagen des Sozialismus niederlegt, kein Platz gebühre. Und als 1949 die Gesetzwidrigkeiten einsetzten, lagerte sich die erstickende Atmosphäre des Mißtrauens auch auf unser geistliches Leben. Die Jahre der dogmatischen kulturpolitischen Führung haben auch die Möglichkeiten der Rede-und Pressefreiheit eingeengt. Das Kabarett war aber bereits seit der Tätigkeit Endre Nagys immer eine Art Journalistik, Fortsetzung der politischen Publizistik gewesen. Es ist kein Zufall, daß fast alle unserer namhaften Kabarettgründer und Conférenciers die Journalistik dortließen bzw. sie auf die Bühne des Kabaretts verpflanzten. Die Wiederkehr des Kabaretts in das ungarische öffentliche Leben war mit solch wichtigen politischen Wendepunkten verbunden wie das Regierungsprogramm von 1953, der XX. Parteikongress, oder die Konsolidation im Jahre 1957. In der Epoche der Konsolidation, nach all den vielen humorlosen Jahren, kam dem Humor eine wichtige Rolle in unserem öffentlichen Leben zu: er war fähig, die in ihrer Abstraktheit für Viele nur schwer faßbare Politik zu authentisieren und humanisieren; er zeigte - vielen anderen Momenten gleich - daß die sozialistische Entwicklung nicht auf Idolen, auf übermenschliche Wesen, sondern auf die anständige, alltägliche Arbeit baut. Es ist nun offenbar geworden, daß Satire und Karikatur die wahre Würde nie erschüttern können, daß der Humor nicht nur eine begleitende, sondern eine fundamentale Erscheinung einer gesunden Gesellschaft ist, denn wo die Leute lachen können, herrschen Ausgeglichenheit und Ruhe. Das Kabarett ist - mit Ausnahme einiger länger tätigen Unternehmungen eine schnell erlöschende Theaterform. Es ist fast unmöglich, alle Kabarettrepertoirs und alle als Kabarettentheater zu bezeichnende Gruppierungen zu ermitteln. Deshalb werden in unserer Sammlung die Veranstaltungen der verschiedenen Parteiorganisationen der Koalitionszeit, die gelegentlichen Programme der verschiedenen Verbände sowie die mehr oder weniger regelmäßigen Kabarettproduktionen der Freilichtbühnen nicht angeführt. In den Jahren nach der Befreiung traten nicht weniger als 29 Theaterunternehmungen verschiedenen Charakters vor das Publikum, wovon viele in Cafés ihre Heimstätte fanden. Im Anhang des Buches veröffentlichen wir die Liste jener Unterhaltungslokale wo in den ersten fünf Jahren nach der Befreiung Kabarettprogramme aufgeführt bzw. Chansonsängerinnen engagiert worden sind. Bedeutung, Berechtigung und Aufgabenkreis des Kabaretts hat der während der Druckvorbereitung des Buches jäh verstorbene János Komlós formuliert.