F. Mentényi Klára szerk.: Műemlékvédelmi Szemle 1999/1-2. szám Az Országos Műemléki Felügyelőség tájékoztatója (Budapest, 1999)
KIÁLLÍTÁS - Bibó István: Klasszicista kúriák Dabason
István BIBÓ KLASSIZISTISCHE KURIEN IN DABAS Der Klassizismus - mit anderswo üblicher Bezeichnung Neoklassizismus - als Stilepoche gehört nicht zu den bekannten und beliebten Perioden; und auch in der allgemeinen Auffassung ist er wesentlich weniger Teil des sog. Allgemeinwissens, als zum Beispiel die Kunst der Antike oder des Mittelalters. Zweifellos übt auch das stärkste Kunstgenre dieser Stilrichtung, die Architektur, nur mit ihren großzügigsten, monumentalsten Werken Anziehung auf das gebildete Publikum aus, und besonders dort, wo anhand einheitlicher, großangelegter Pläne ganze, das Stadtbild bestimmende Ensembles im Klassizismus entstanden (Paris, Karlsruhe, Sanktpetersburg usw.). Warum veranstalten wir dennoch eine Ausstellung über die aus dem vergangenen Jahrhundert stammenden - im Vergleich zu den großen Beispielen des Stils etwas verspäteten und provinziellen - klassizistischen Gebäude einer Gemeinde des Komitats Pest, die man auch der Tiefebene zugehörig bezeichnen kann? Wenn wir eingestehen, voreingenommen zu sein, können wir sagen: Weil diese unsere und schön, sogar wunderschön sind. Desto provinzieller, man könnte sagen, desto plumper, um so mehr. Nähert man sich ihnen sachlich, kann gesagt werden: Deshalb lohnt es sich sie einzusammeln und zu studieren, weil - genauso wie die Monumentalbauten in reichen Ländern mit glücklicherer Geschichte, ungestörterer Entwicklung - auch diese bescheideneren Gebäude sehr viel über ihre eigene Zeit verraten. Wenn für uns also unsere Geschichte wichtig ist, dann ist für die Beurteilung der hier entstandenen Kunstwerke nicht ihr Niveau im Vergleich zur universellen Kunst der einzige Maßstab. Die in größter Zahl zwischen 1820 und 1850 erbauten, etwa 25 Kurien zeigen die eigenartige Häufung einer typischen Gebäudeart der ungarischen Baugeschichte an einem Schauplatz. Sicher gab es unter den Besitzern dieser Kurien solche, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Gentry geworden sind und den Sinn ihres Lebens in der Wahrung ihrer Privilegien und der Großtuerei fanden; aber die Gebäude erinnern nicht an sie, sondern an ihre Vorfahren, die die Bauherrn und ersten Bewohner dieser Herrenhäuser waren. (Nur als Kuriosität ist es zu erwähnen, daß in dieser Epoche nur für eine einzige Familie, der Halasz-Familie neun Kurien in Dabas erbaut wurden.) Man denke an jene Schicht des Klein- und Mitteladels, die in einer der schönsten Periode der ungarischen Geschichte, der Reformzeit, nicht nur Dielen baute, um Platz zum Pfeifenrauchen zu haben, sondern sie gab ihrer Heimat die besten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und der Kultur, und sie unternahm große Anstrengungen, um das in der ungarischen Gesellschaft tragisch fehlende Bürgertum zu ersetzen. Dieses reizvolle und positive Bild, das auch auf die Gebäude reflektiert, und das davon handelt, daß eine gesellschaftliche Schicht fähig war, über sich selbst hinauszuwachsen, kann von keiner späteren Entwicklung getrübt werden. Diese Häuser repräsentieren eine solche Epoche des ungarischen Adels, die wirklich Kultur schuf; in der die Lebensform, den Alltag Geist durchdrang. Wenn wir es mit einem Wort zusammenfassen wollen, das Wesentliche dieses Geistes ist die Bescheidenheit, aber nicht das