Búzás Gergely: Pest megye 1. Visegrád, királyi palota 1. A kápolna és az északkeleti palota (Magyarország építészeti töredékeinek gyűjteménye 2. Budapest, 1990)

Gergely Buzás: Die Kapelle und das Nordöstliche Palastgebäude des Königsschlosses in Visegrád

4. DIE DATIERUNG DER ZWEITEN BAUPERIODE Nachdem wir uns den Möglichkeiten gemäss mit den Bauten der zweiten Periode vertraut gemacht haben, können wir auf ihre Datierung kommen. Da wir über konkrete und eindeutig interpretierbare schriftliche Quellen nicht verfügen, kann unsere Datierung auf archäologischen Beobachtungen beruhen. Dazu bot die er­forschung der Kapelle die beste Möglichkeit, weil dieses Gebäude ohne Vorgängerbau, in ihrer Gesamtheit während der zweiten Periode errichtet worden war und die späteren Umbauten sie nicht so wesentlich berühr­ten, wie den Nordostpalast. August 1949 traf man zwischen den Wandpfeilern O II. und O III. des Schiffes, im Mörtel unter dem frü­hesten Boden der Kapelle einen falschen Mohrenkopf-Denar von Ludwig dem I. (1342-1382) an (CNH II. 89. A). 120 Aus derselben Schicht, sowie aus der zur Zeit des Baues entstandenen Auffüllung auf anderen Tei­len der Kapellenterrasse kam gerippte und eingeritzt verzierte Weisskeramik und graue österreichische Kera­mik in grosser Menge zum Vorschein. 121 Nach dem Abschluss des Baues gelangte ähnliches Keramikmaterial während der Terrainregelung zwischen der südösüichen Ecke der Kapelle und der Felsenwand 122 in die Auf­füllung über den abgehauenen Felsen. Hier fanden wir das Fragment einer gelbglasierten, mit Weinranken verzierten Kachel aus der Gruppe I. Anjou-Zeit von Imre Holl. Ein Bruchstück der Rückseite einer Kachel von gleichem Material und gleicher Glasur kam aus der unteren Auffüllungsschicht hinter der Strebemauer der zweiten Periode der Kapellenterrasse zum Vorschein. 123 Solche Kacheln traten aus der unteren Schicht des nördlichen kleinen Felsenhofes zutage, samt dem Mohrenkopfdenar. 124 Imre Holl veröffentlichte derarti­ge Kacheln aus der Budaer Burg, aus Schichten, die mit Marien-Münzen datiert sind. 125 In Buda gerieten diese Kacheln offensichtlich im Laufe der frühen Sigismund-zeitlichen Umbauten des Anjou-Palastes auf den Misthaufen, wie auch in Visegrád ist der Abbruch dieser Öfen an den grossen Umbau zu knüpfen. 126 An der südöstlichen Ecke der Kapelle kam auch ein anderes, hellgelb glasiertes Bruchstück zusammen mit der oben erwähnten Kachel zum Vorschein. Unter dem frühesten Bodenniveau des Schiffes fanden wir in der zu Zeit des Baues entstandenen Auffüllung ein Kachel fragment mit grünbrauner und gelbgrüner Glasur. Sie können Öfen aus der späten Anjou-Zeit bzw. der frühen Sigismund-Zeit angehört haben. 127 Die aus der Auffüllung über die Kämpfer des unter dem südlichen Flügel des Nordostpalastes liegenden grossen Kellers zum Vor­schein gekommenen Münzen haben bedeutende chronologische Rolle. Hier kamen ausser vier Mohrenkopf­Denar und zwei den Heiligen Ladislaus darstellende Denar von Ludwig dem I. (1342-1382) auch vier Parvus vom König Sigismund Luxemburg (1387-1437) zutage. 128 Aufgrund des Fundmaterials, in erster Linie der Mohrenkopf-Denar kann der Baubeginn auf jeden Fall nach 1370 gesetzt werden. 129 Der terminus ante quem kann zwischen 1405-1408 gelegt werden, da der Hof zu dieser Zeit nach Buda zog. 130 Wir wissen nicht, welcher König mit dem Neuaufbau des Palastes angefangen hatte, der grösste Teil der Arbeiten muss aber nach 1387, zu der Zeit der gemeinsamen Regierung von Mária und Zsigmond, durchgeführt worden sein. Das Kellergewölbe des südlichen Flügels des Nordostpalastes ist nämlich von den Sigismund-Münzen datiert, was im Zusammenhang mit der relativen Chronologie des Bau­ablaufes des Palastes soviel bedeutet, dass die Planänderung jedenfalls nach der Krönung von Sigismund (1387) Vorgang. 131 5. BAUGESCHICHTLICHE ZUSAMMENHÄNGE DES GEBÄUDEKOMPLEXES DER ZWEITEN BAUPERIODE Wie wir es schon betonten, wurde die zweite Periode des Visegráder Palastes nach einheiüichem Plan ge­baut, das Charakteristikum seiner Disposition ist die Bestrebung nach einer strenger Regelmässigkeit. Es han­delt sich hier keineswags um einen mit seinen Terrassen in die Landschaft harmonisch passenden Palast, was die heutigen Ruinen auf den ersten Blick suggerieren. Das Wesen der Anordnung, das die ursprünglich ge­schlossenen Massen der Gebäude zur Geltung gebracht hatten, widerspiegelt heutzutage nur der Grundriss. Die Logik des Grundrisses wurde trotz der ungünstigen Geländegegebenheiten verwirklicht. Das zur Verfü­gung stehende Gebiet war gegeben, der Palast nahm ja den Plazt eines früheren Gebäudekomplexes zwischen der Landstrasse und dem Berghang ein. Es gab auch funktionale Voraussetzungen, man benötigte einen gros­sen Empfangsof, einen grossen Saal, eine Kapelle, Wohngebäude, usw. Das zur Verfügung stehende enge, fla­che Gebiet nahmen der Hof und der grosse Saal vollkommen ein, deshalb mussten die weiteren Gebäude an den Berghang gebaut werden. Trotz allem verzichtete man auf die Regelmässigkeit auch hier nicht, der voll­kommen viereckige Grundriss des Nordostpalastes steht mit dem unregelmässigen, fallenden Gelände, wo­rauf er gebaut wurde, völlig in Wiederspruch. Es muss als persönliches Verdienst des unbekannten Archi-

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