Judit Tamás: Verwandte typen im schweizerischen und Ungarischen kachelfundmaterial in der zweiten hälfte des 15. jahrhunderts (Művészettörténet - műemlékvédelem 8. Országos Műemlékvédelmi Hivatal,1995)
Übersicht - II. Medaillonkacheln - n. Drei Könige, zweiter König (mit Kästchen und Affe) - o. Drei Könige, dritter König (mit Ostensorium)
Die Dreikönige-Kacheln sind Bestandteile eines ikonographischen Programms - der Weihnachtsgeschichte -, dem auch andere oben genannte Typen der Medaillonkacheln (Christi Geburt usw.) angehört haben. Nach Matt 2, 1-12 kündet ein Stern den Heiligen Drei Königen, d.h. ursprünglich den Weisen aus dem Morgenlande, von der Geburt eines Königs im jüdischen Land und weist ihnen den Weg nach Bethlehem, wo sie das Christuskind finden und ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Geschenke darbringen. 246 Die drei Figuren - Caspar/Gaspar, Melchior, Balthasar - sind in diesem Fall auf drei verschiedenen Kacheln abgebildet, ihre Attribute reichen aber nicht aus, um sie genau zu identifizieren. Unter den den ersten König darstellenden Kacheln konnten wir lediglich zwei typologische Varianten absondern. Die erste wird von einigen Exemplaren aus Zürich (Abb. 137) und aus Wädenswil (ZH), die zweite von zwei weißengobierten, grünglasierten Bruchstücken aus Valangin (NE) 247 vertreten, deren Medaillon ohne jegliche Verzierung ist. Das Zuger Fragment (Abb. 138) repräsentiert vielleicht eine dritte Variante, wegen seines fragmentarischen Zustandes aber kann darüber nicht mehr ausgesagt werden. Weiterhin sind wir nicht dazu gekommen, die Kachel der Hallwiler Sammlung 248 gleichen Typs zu untersuchen und sie typologisch exakter einzuordnen. Die Verbreitung dieses Typs konzentriert sich auf Zürich und seine Umgebung (in weiterem Sinne, auch Hallwil inbegriffen). Wie das der Werkstattfund von Zürich - Rennwegtor (Abb. 137) beweist, wurde er in der besagten Stadt auch erzeugt. n. Drei Könige, zweiter König (mit Kästchen und Affe) Dieser König unterscheidet sich vom vorgenannten in erster Linie darin, daß hinter ihm auf dem Pferd ein Affe sitzt. Dieser Affe, der in der christlichen Kunst meist als das Zerrbild des Menschen, als Personifikation des Teufels und seiner Versuchungen auftaucht, deutet hier wahrscheinlich nur die orientalische Abstammung des Königs an. 249 Die Variante A dieses Typs (Abb. 139), wohl zur Variante A des ersten Königs gehörend, kam fast ausschließlich in Zürich zum Vorschein, wo ihre Herstellung durch ein Halbfabrikat vom Rennwegtor (Abb. 159/a) bewiesen wird. Ihre Anzahl ist im Verhältnis zu den übrigen Dreikönige-Kacheln beträchtlich, die Umrisse ihres Reliefes sind „weich", woraus der Eindruck erwächst, daß sich die Model während der intensiven Produktion abgenützt haben und/oder verschmutzten. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gehört auch eine grünglasierte Kachel aus dem Schloß Hallwil (AG) 250 , die wir lediglich aus der Literatur kennen, zu dieser Gruppe. In Kenntnis der Unterschiede, die hinsichtlich der Verzierung der Varianten A und B (Abb. 140) bestehen, darf weder ein gemeinsamer Model noch ein gemeinsames Modell vermutet werden, die zwischen ihnen nachweisbare indirekte Beziehung lag in der Verwendung gemeinsamer Vorlagen. o. Drei Könige, dritter König (mit Ostensorium) Zwei der hierzu zählenden Exemplare stammen aus Zürich und aus dem Schloß Hallwil (AG; Abb. 141), wo sie aller Wahrscheinlichkeit nach mit der entsprechenden Variante (A) der beiden anderen Könige in den Ofen eingebaut wurden. Wohl nicht anders verhält es sich mit den zwei grünglasierten Bruchstücken aus der Burg Valangin (NE). 251