Magyar Műemlékvédelem 1973-1974 (Országos Műemléki Felügyelőség Kiadványai 8. Budapest, 1977)

Általános jellegű tanulmányok - Entz Géza: A műemléki helyreállítások tudományos előkészítése és dokumentálása

Hintergrund und war immer weniger imstande, das feste Rückgrat für die allgemeine Entwicklung der Künste zu bilden. Eine bisher nie erlebte riesengroße Entfal­tung der Industrie brachte die Entwicklung der Städte in Gang und beschleunigte immer mehr deren Wachstum. Die Architektur wird immer stärker zur Befriedigung der Massenansprüche gezwungen, undzwar in drohend beschleunigtem Lauf. Unter solchen Verhältnissen tre­ten die künstlerischen Gesichtspunkte naturgemäß in den Hintergrund. Im 19. Jh. wird die Nachahmung frü­herer Baustile allgemein, was das Versagen der Baukunst zur Folge hat. Die Anwendimg der Kunst der Vergangen­heit als Vorbild bedeutete aber zugleich eine neuartige und gesteigerte Neugeburt des historischen Interesses, die eine bisher unbekannte riesige Bereicherung des historischen Bewußtseins und eine erhöhte Achtung vor der menschlichen und nationalen Vergangenheit mit sich brachte. Diese Umgestaltung und dieser Wan­del der wissenschaftlichen und künstlerischen öffentli­chen Meinung lenkte selbstverständlich die Aufmerksam­keit auf die wissenschaftlichen und künstlerischen Werte der Vergangenheit. Es beginnt ein Prozeß des Erken­nens, Sammeins und Schätzens dieser Werte. Zu gleicher Zeit wird der Anspruch auf ihre Bewahrimg und Erhal­tung laut, undzwar nicht im Interesse einzelner Auser­lesener, sondern als gesellschaftliche Notwendigkeit. Nachdem aber ein bedeutender Teil der Denkmäler meistens bereits mehrere Veränderungen überstanden hatte, tauchte schon in der Anfangsperiode des Denk­malschutzes die Forderung auf, ihren Urzustand zu er­mitteln. Dies aber verlangte Forschungen. Die Forschung ist daher mit fier zur Bewahrung und Beschützung ent­falteten Planungs- und Ausführungtätigkeit selbst gleich­altrig. Das 19. Jh. faßte ausschließlich den allerersten Zustand des Denkmals als den ursprünglichen Zustand auf. Dementsprechend trachtete sie auch, diesen aller­ersten Urzustand aufzuklären. So wurden die späteren Umänderungen nicht nur vernachlässigt, sondern man trat diesen sogar feindselig entgegen. Für das 19. Jh. bedeutete lediglich die erste Bauperiode die Geschicht­lichkeit. Auf die statische Geschichtsauffassung des 19. Jh. folgte unsen» dialektische Auffassung. Im Mittel­punkt (les Interesses vom 20. Jh. steht der sich stets verändernde, umgestaltende Wandel und die Dynamik der historischen Entwicklung. Der Denkmalschutz von heute wendet sich dem gesamten Lebenslauf des Kunst­werks zu und erfaßt dessen ganzen historischen Wer­degang. Seine Aufmerksamkeit erstreckt sich nicht nur auf eine — noch so wichtige — Periode, sondern auf alle Entwicklungsmomente des Lebens. Deshalb baut sie auf die Echtheit und Authentizität des Denkmals, wobei neben den Kons! rukt ions-, Form- und Inhalts­elementen des Ursprünglichen auch das alte Material einen gesteigerten Akzent erhält. Das grundlegende Moment der Wiederherstellung bildet neben der Geschicht­lichkeit die Bewahrung und Konservierung. Das bedeutet aber soviel, daß wir immer vom gegebenen Kunstwerk ausgehen. Das Ziel der Forschung von heute ist, mit der Wiederherstellung nebst Spiegelung des historischen Werdeganges des betreffenden Denkmals den gesamten wertvollen Bestand authentisch wiederzugeben und zu bewahren. Indem wir aber für die Forschung die möglichst weiteste; Perspektive zu eröffnen trachten, dürfen wir nicht vergessen, daß dies nicht zum Selbst­zweck werden darf: Die Hauptaufgabe der Forschung ist die Vorbereitung der Wiederherstellung, die Schaf­fung eines verläßlichen Fundaments für die Planung und Ausführung. Die zwei Hauptgebiete der Forschung sind: 1. Quellenforschung 2. Bauforschung. Die erste erstreckt sich auf die je ausführlichere Ermitt­lung und Bewertung der bibliographischen, urkund­lichen, und Musealdaten. Der Forscher sammelt sorg­fältig die auf das Denkmal bezügliche gesamte Litera­tur unter Berücksichtigung der heimatlichen und euro­päischen Parallelen und Zusammenhänge. Die Anzahl unserer Denkmäler wurde durch die Wechselfälle unserer Geschichte stark verringert. Des­halb erhält bei uns die Urkundenforschung einen beson­deren Nachdruck. Die zweite, meistens entscheidende Gruppe der For­schungen besteht aus den an Ort und Stelle durchführ­ten Arbeiten. Wir erwähnten bereits, daß jedes Denk­mal seine eigene und spezifische Geschichte hat. Hier­über abergibt das Gebäude, das Bildwerk, das Gemälde oder der Einrichtungsgegenstand selbst die ausführlichste und meist authentische Auskunft. Neben der ausführlichen Untersuchung der bestehen­den Mauern fällt in der Denkmalpflege Ungarns der Archäologie eine bedeutende Rolle zu, denn von den mittelalterlichen, aber auch von späteren Kunstwerken sind überwiegend nur Überreste erhaltengeblieben. Bei uns besteht die Aufgabe der Ausgrabungen nicht nur darin, die Vorläufer des bestehenden Gebäudes zu erschlie­ßen, sondern meistens lediglich dadurch überhaupt etwas vom Kunstwerk, zumindest aber den Grundriß, zu er­mitteln. Die ausführliche Beschreibung und Zusammenfassung der Durchführung und der Ergebnisse der Forschungen ist in der Wissenschaft liehen Dokumentation enthalten. Die Dokumentation ist ein unerläßliches Erfordernis der zeitgemäßen Denkmalpflege, deren Wichtigkeit auch eine für die Konservierung und Restaurierung der Denkmäler erarbeitete internationale Regelung, die sog. Charta von Venedig hervorhebt. Die wissenschaft­liche Dokumentation ist der Ausgangspunkt der Planung und bietet bei der Ausführung der Wiederherstellung Möglichkeit zur ständigen Kontrolle. Sie spielt auch darin eine bedeutende Rolle, daß bei den späteren Wie­derherstellungen eindeutig festgestellt werden kann, was bei den vorausgegangenen Eingriffen geschehen ist. Die Dokumentation ist also nicht nur eine sich den Forschungen unmittelbar anschließende Tätigkeit, son­dern trägt auch zur Lösung später auftretender Aufga­ben entscheidend bei. Die ersten Sätze der Charta von Venedig lauten folgendermaßen: »Die geistige Botschaft der Vergangenheit in sich tragenden monumentalen Werke sind für die Gegenwart lebendige; Zeugen Jahrhun­derte; alter Überlieferungen der Völker. Die Menschheit, elie Tag für Tag immer mehr zum Bewußtsein der tie­fen Einheit der menschlichen Werte erwacht, betrachtet eliese Werke als gemeinsames Erbe und bekennt sich für deren Schutz den zukünftigen Generation gegenüber, elenen sie eliese Denkmäler in elem vollen Reichtum ihrer Authentizität hinterlassen muß, in seiner Gesamtheit für verantwortlich.« Die klare; Erkenntnis und Bekenntnis des universalen Wertes der Denkmäler spornt uns nicht nur zur mög­lichst vollkommenen Ausführung unserer gegenwärti­gen Arbeit an, sondern überträgt uns auch die Verant­wortung für die richtige Lösung zukünftigen- Aufgaben, In fachlicher und kultureller Hinsicht bildet dies den mo­ralischen Inhalt der wissenschaftlichen Dokumentation.

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