Magyar Műemlékvédelem 1949-1959 (Országos Műemléki Felügyelőség Kiadványai 1. Budapest, 1960)

Dercsényi Dezső: Tíz év magyar műemlékvédelme

griffe dar. Vor oder nach dem Ablauf der Kampftätig­keit verließ der Grossteil der Besitzer die Gebäude, von denen zahlreiche eine- Beute der Ausplünderung, der Ver­wüstung winden. Die schwere Schädigung der Gebäude wurde auch durch den Umstand gefördert, daß die mei­sten unter ihnen an der Dorfflur, von einem Park um­schlossen allein standen, wodurch der weitere Verfall der Gebäude lange- Zeit hindurch nicht behindert werden konnte-. Schließlich trug auch ihr Zustand zum weiteren Verfall der beschädigten Gebäude bei. Der größte Teil unserer Schlössen- ist in der zweiten Hälfte des XVIII. unel in der erstem Hälfte des XIX. Jahrhunderts erbaut wor­den. Ihre Konstruktion bedurfte nach den verflossenem 150—200 Jahren auf jeden Fall einer Erneuerung, da ihre Deubeldecken auf den Auflagestellen bereits morsch waren', selbst durch kleinere Einnässungen rapid zu schimmeln anfingen. Bei der Wiederherstellung mußte demnach mit sehr erheblichen Kosten gere-e-hnet wenden . Eine noch schwerere Aufgabe war für ein neues Ziel, eine neue Nutzung des Schlosses zu sorgen, was neben der Wahrung seines Denkmalwertes auch seine Einbezie­hung in unsen- heutiges Leben ermöglichen würde. Ob­gleich das gleichzeitige Auftreten der technischen, wirt­schaftlichen, gesellschaftlichen Probleme die Wiederher­stellungen natürlicherweise stark behinderte, können wir in den nachfolgenden Abhandlungen dennoch über die vorbildliche Wiederherstellung und Verwendung von etli­chen Denkmälern Ree-hensediaft geben. Die Behebung des Brachliegens des heute noch be­schädigten oder trümmerhaften Denkmalmaterials oder seiner im Verhältnis zum Werte unrichtigen Verwendung, bildet den schwersten, gleichzeitig dringlichstem Teil un­seu-eu- Aufgabe. Wir können nicht dem idealen tschecho­slowakischen Beispiel folgen, wo mehr als hundert Schlös­ser mit ihren ursprünglichem Einrichtungen als »Schloß« also Museum dienen, und sieh eines Besuches phantasti­schen Ausmaßes erfreuen. Doch möchten wir dem pol­nischen Beispiel folgen, wo zu größeren Investitions­zwecken nur dann neue Gebäude errichtet werden dürfen, wenn hierzu kenn Denkmal vorwendet werden kann. Die Lage der kirchlichen Denkmäler zeigte im Jahre 1949 ein außerordentlich mannigfaltiges, wechselvolles Bild und diese Eigenartigkeit behielten sie auedi bis heute. Erlitten auch kleinere Dorf- oder Stadtkirchen Beschädi­gungen, konnten die kleineren Gemeinschaften selbst dem Schaden leichter abhelfen. Dies galt aber nur für die katholische, reformierte und evangelische Kirche, denn die- griechisch-orthodoxen Kirchenunel israelitischen Tem­pel gerieten in Ermangelung eler sie- aufrechterhaltenden Kirchen- beziehungsweise Kultusgemeinelen in eine außer­ordentlich schwierige Enge. Bei den, der vorherigen Gruppe angehörenden Kirchen stellen elie großem Kathe­dralen auch ein schwer lösbares Problem dar, weil die Organisierung des beträchtlicheren materiellen Fonds viel größere Schwierigkeiten beredt ed. Zu Beginn übernahm die Staatsverwaltung die Wie­derherstellung je einer großen denkmalwerten Kirche der vier Konfessionen. So wurde elie Wiederherstellung der Basilika in Esztergom, eles kalvinistischeii Nagytemplom (große- Kirche) in Debrecen, eleu- evangelischen Kirche in der Burg und der Obudaer Synagoge eingeleitet. Darüber hinaus erfolgte noch auf Staatskosten die vollständige Wiederherstellung der durch Feuer beschädigten Leo­poldstädter Basilika. Schließlich muß zu den hervorra­genden Denkmalwiederherstellungen die der Ofner Mat­thiaskirche gezählt werden, die gleichfalls völlig auf staat­liche Kosten renoviert wurde. Die Wiederherstellung der Domkirche in Szombathely, die vielleicht das am schwer­sten beschädigte? kirchliche Kunstdenkmal Ungarns war, wurde aus eigener Kraft des Bistums durchgeführt. Durch Denkmalkredite wurde vor allem die Wieder­herstellung den- hervorragend denkmalwerten Gebäude, welche durch die- kleineren Kirchengemeinden nicht hätte durchgeführt werden können (Sopronbánfalva, Maria­Magdalenenkirche usw.) unterstützt. In sehr schlechten Zustand gerieten elie- Budapester Kirchen und eine ent­scheidende Wendung bedeutete hier die- Wiederherstel­lung der im Verlauf der Gegenrevolution beschädigten Kirchen. Im Anschluß daran, winde die zeitgemäße Restaurierung sämtlicher denkmalwerter Kirchen in Bu­dapest begonnen ; der Großteil der Arbeiten is1 schon be­endet oder steht vor dem Abschluß. Die Kirchen mit griechisch-orthodoxem Zeremoniell sind infolge der verschwindend geringen Zahl der Gläu­bigen sozusagen gänzlich auf die staatliche Unterstüt­zung angewiesen. So wurde die griechisch-orthodoxe Kirche auf denn Petőfi­Platz in Budapest unel elie- in Mis­kolc wiederhergestellt. Die israelitischen Tempel'vermis­sen auch die sie erhaltenden Kultusgemeinden und die Gebäude sind sozusagen ausnahmslos schwer beschädigt, nicht nur infolge der unmittelbaren Kriegsereignisse, sondern auch als Folge der planmäßigen Judenverfolgun­gen eler Kriegsjahre. Die Lösung der Frage erschwert auch der Umstand, daß religiöse- Bedenken der Verwen­dung dieser Gebäude für andere Zwecke im Wege stehen. Die gewerblichen und Volksele-nkmäler sind — wie weiter oben bereits erörtert wurde — im Laufe der sozia­listischen Denkmalspflege in Verwahrung genommen wor­den. Bei den gewerblichen Denkmälern entstanden große Probleme hauptsächlich durch die Notwendigkeit der zeitgemäßen Nutzung (z. B. Erweiterung der Brücken, ökonomische Verwendung der Mühlen), bei eler Erhal­tung der Bauernarchitektur aber jene tiefgreifende gesell­schaftliche Wandlung, die sich im ungarischen Dorf vor unseren Augen vollzog. Die sozusagen noch unter feudalen Verhältnissen lebende Landbevölkerung trachtete, als sie zu Grund und Boden kam, auf die Ergebnisse eler zeitgemäßen Großwirtschaft gestützt danach, sich von dem elenden Rahmen ihres früheren Lebens zu befreien, selbst dann, wenn er die stofflichen, äußerst ökonomischen, zweck­mäßigen Denkmäler der oftmals in ihrer Art einzig da­stehenden künstlerischen Verzierungen des Gestaltungs­vermögens ihrer Ahnen darstellte. Unsere Bauernschaft sucht auch ihre alten Häuser mit neuen zu vertauschen, wedl elie alte Lebensform sie nicht mehr befriedigt. Wir machten auf dem Gebiet der Bauernarchitektur elie glei­che Erfahrung, elie auch unsere Ethnographenkollegen zur dringlichsten Sammlung auf dem Gebiet der geisti­gen und gegenständlichen Volkskunde anregt. Es ist kein Zufall, daß im vergangenen Jahrzehnt elie meisten Hau­sen- in den Dörfern erbaut wurden. Vom Gesichtspunkt unserer Dorf bilder darf aber auch nicht außer acht gelas­sen werden, daß elie neuen Gebäude aus zeitgemäßem .Material und mit moderner Konstruktion erbaut werden, wobei sie sich aber in das wertvolle unel charakteristische heimische Dorfbild einfügen müssen, wofür siedi ohne Inventarisierung, Aufarbeitung des sich in elie Landschaft einfügenden, elie- örtlichen Gegebenheiten in hohem Maße berücksichtigenden, volkstümlichen Baumaterials, ohne Erhaltung unserer hervorragenden Denkmäler keine Mög­lichkeit bietet. Diese problemreiche Aufgabe wird dadurch erschwert, daß zu Beginn eles erörterten Zeitabschnitts die Auswahl des unter Schutz zu stellenden Materials noch nicht ein­geleitet, der Großteil der Gebäude nicht aus dauerhaftem Material hergestellt, ja sogar mit einer heute bereits ver­botenen, feuergefährlichen Bedachung versehen war. Schließlich sind die Gebäude fast ausnahmslos in Privat­besitz, wodurch elie Möglichkeit eines staatlichen Ein­griffs noch erschwert wird. Es muß in Betracht gezogen werden, daß ein nicht geringer Teil des Denkmahnaterials nur in wissenschaft­licher Dokumentation erhalten werden kann und wir un­sere Kräfte auf die je nach Regionseinheit ausgewählten —• gewöhnlich durch Ankauf zu erwerbenden — hervor­ragendsten Denkmäler konzentrieren müssen. Schließlich seien einige Worte über die Ruinen gesagt. Eine schmerzhafte Eigenart der Situation ungarischer Denkmäler besteht darin, daß ein äußerst bedeutsamer Teil des römischen, slawischen, mittelalterlichen Denk­malmaterials in Ruinen zurückgeblieben ist und nicht sel­ten unausgegraben im Schoß der Erde ruht. Der geschieht ­liehe Nachweis dieser Tatsache ist wohlbekannt, ihre Be­deutung wird durch drei große Aufdeckungen, den Aus­grabungen in Esztergom, Visegrád und in der Ofner Burg weitgehend bewiesen : nur auf Grund dieser hat sich un­sere mittelalterliche, renaissancezeitliche Kultur in ihrer 3* 35

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