Magyar Műemlékvédelem 1991-2001 (Országos Műemléki Felügyelőség Kiadványai 11. Budapest, 2002)

Hoós Mariann – Lente István – Szentkirályi Miklós: A hédervári kastély barokk falképei és a kápolna restaurálása

DIE BAROCKEN WANDBILDER UND DIE RESTAURIERUNG DER KAPELLE DES SCHLOSSES IN HÉDERVÁR MARIANN Hoós - ISTVÁN LENTE - MIKLÓS SZENTKIRÁLYI Die Restaurierung des Schlosses in Hédervár begann 1983 - der Praxis des Denkmalschutzes entsprechend - mit der Erforschung des Gebäudes, also mit Freilegungsarbeiten und Wandforschung. Zur Wiederherstellung der bei den Freilegungen ans Tageslicht gekommenen Wandbilder aus dem 18. Jahrhundert sowie der Kapelle kam es in der letzten Phase der Restaurierungsarbeiten zwis­chen 198f und 1989. Die Sala terrena liegt im nordöstlichen Flügel des mehrmals umgebauten Schlosses, nördlich vom Gartenausgang, Die zweigeteilte böhmische Kappe bekam der Saal Anfang des 18. Jahrhunderts. Bei der Wandforschung wurden die Spuren mehrschichtiger Dekorationsmalerei entdeckt. Die früheste Schicht war ein barockes Secco auf rohem getünchtem Putz. Die Darstellung zeigt die für die Sala Terrenas charakteristischen Motive, die Dekorationsmalerei ruft Freiluftatmosphäre hervor: Gartengitter von Schlingpflanzen umrankt, exotische Vögel, mit vergoldeten Blumensträußern geschmückte Steinvasen, Hecke und Panorama auf die Landschaft. Mit diesen Mitteln verwirklichte die Sala Terrena den Übergang von der gebauten Umgebung in die Natur, die in der Nähe des Gebäudes einen spektakulär, entfernter immer weniger geordneten Garten bedeutete. Die Sala Terrena in Hédervár trug außerdem im Wortgebrauch der Nachbarn auch den Namen „Abkühler", denn wenn man aus der äußeren Hitze durch die Garten­tür ins Gebäude kam, konnte man sich in diesem Raum an die ­wegen der dicken Wände - auch im Sommer herrschende kühlere Luft im Schloss gewöhnen. Die Sala Terrena in Hédervár ist ein schönes Beispiel für diesen Darstellungstyp, der in den Schloss­dekorationen des 18, Jahrhunderts oft, in Ungarn aber selten vorhan­den, und nur an wenigen Orten erhalten ist. Auch dieser Umstand hat dabei mitgespielt, eine volle Rekonstruktion anzufertigen. In der Kammer der Silberwaren brachte auch die gründliche Forschung keine Wandbildreste hervor. Es wurde offensichtlich, dass diese Wände auch nie bemalt waren. Wahrscheinlichster Grund hierfür ist, dass zur Aufbewahrung der Silberstücke im ganzen Zimmer eng an die Wand gestellte, geschnitzte Schränke eingebaut wurden. Über diesen Möbeln ersetzte man die geschnitzten Giebel mit Malerein. In der Mitte des Tonnengewölbes stellte der Maler auf beiden Seiten in Medaillons mit verzierten ovalen Rahmen den Herren und die Herrin des Schlosses dar. Als Muster für diese gemalten Porträts konnte das Relief über der Tür gedient haben, das Kaiser Leopold zeigt. Die Kapelle liegt am Ende des barocken Nordflügels zum Garten hin, sie ist ein zwei Geschosse umfassender Raum mit Tonnengewölbe, der Eingang öffnet sich vom Flur im Erdgeschoss. Die Kapelle wurde der Jungfrau Maria geweiht, dies bezeugt das Fenster mit ovalem Marien-Monogramm an der Ostwand bzw. das originale Altarbild, das Maria mit dem Jesuskind darstellt. Die Ostwand des Chores ist mit Einlagen geschmückt, die Rosettenmuster zeigen und einen passenden Hintergrund zum Marien-Altar bilden. Die gesamte Wand ist mit architektonischer Malerei geschmückt, auf der auch die figu­ralen Darstellungen als Teile der architektonischen Elemente erscheinen. Das Tonnengewölbe ist mit bemalten Stichkappen gegliedert, in ihnen sind sogar die Fensteröffnungen nachgebildet. In die Mitte des Gewölbes wurde eine illusionistische Laterne gemalt, über die sich eine Kuppel gegen den Himmel öffnet. In der Mitte der Kuppelöffnung schwebt im Wolkenkranz die Taube des Heiligen Geistes. Der Altarbau blieb zwar an seinem Platz, seine Schnitz­werke sind aber größtenteils abgebröckelt, fehlten. Sein Holzmaterial war stark von Ungeziefer und Pilzen befallen. Das ein Jahrzehnte lang verschollene Altarbild, das mehrere Mal den Besitzer wechselte, wurde nur kurz vor Beginn der Restaurierung gefunden, in scheuslichem Zustand, Das Bild der Madonna mit seinem Kind blieb zusammengerollt in sehr desolatem Zustand erhalten, Im Interesse der völligen Wiederherstellung der Kapelle wurde auch die in zahlre­iche Stücke zerbrochene Steinskulptur der Maria Immaculata restau­riert, dann an ihren Originalplatz, auf die Konsole über der Eingangstür gestellt.

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