Karl Alfred von Zittel: Handbuch der Palaeontologie. 1. Abtheilung, Paleozoologie. IV. Band: Vertebrata (Mammalia) (München und Leipzig, 1891-1893)

5. Classe. Mammalia. Säugethiere - 2. Unterclasse. Placentalia - 12. Ordnung. Carnivora. Fleischfresser - 2. Unterordnung. Fissipedia

646 \ Vertebrata. noch ziemlich gross und zweiwurzelig und besitzt in der Vorderhälfte drei oder zwei Höcker, auf welche ein grubiger Talon folgt; bei den vorge­schritteneren Formen wird er stiftförmig und einwurzelig. Der untere Reiss­zahn hat in der vorderen Hälfte entweder drei Zacken oder der Innenzacken verkümmert, und einen grubigen Talon, der aussen durch einen schneidenden Zacken begrenzt wird. Die vorderen P stimmen mit Viverren und älteren Caniden überein. Der obere Reisszahn ist an älteren Formen genau wie bei Cynodictis oder Viverra beschaffen, seine Differenzirung äussert sich in Verdickung und Verbreiterung des Innenhöckers, zu dem hin und wieder noch ein secundäres Höckerchen kommt. Am Schädel der Musteliden ist meist der Gesichtstheil etwas verkürzt, namentlich bei den modernisirten Formen, und die ursprünglich wie bei Viverren und Caniden seitlich zusammengedrückte Hirnhöhle schwillt bei den Lutrinen hinten an und dehnt sich in die Breite aus. Die ungetheilte Gehörblase zeigt bei den verschiedenen Unterfamilien erhebliche Verschieden­heiten, der äussere Gehörgang ist etwas ' verlängert, die Paroccipital- und Mastoidfortsätze sind abweichend von den Viverriden stets wohl ent* wickelt. Die in querer Richtung verlängerte Gelenkgrube für den Unter­kiefer ist vorne und hinten durch eine vorragende Knochenleiste verstärkt. Das übrige Skelet bietet wenig charakteristische Eigenthümlichkeiten ; es bewahrt primitive Merkmale und stimmt darin am meisten mit den Viver­riden überein. Einzelne fossile Formen (Valaeopr ionodon, Stenoplisictis) zeichnen sich durch hochbeinige Extremitäten aus, meist sind aber die Beine ziemlich kurz, fünfzehig, semiplantigrad, seltener digitigrad. Bei den Lutrinen sind die Extremitätsknochen plump, gedrungen und ziemlich stark gebogen. Die Musteliden werden von M ivart in drei Unterfamilien (Mustelinae , Melinae und Lutrinae ) zerlegt, wovon jede eine grössere oder kleinere Anzahl fossiler Vorläufer besitzt. 1. Unterfamilie. Mustelinae. Marder und Wiesel. Schädel länglich, Schanze etwas verschmälert. Gehörblase stark angeschwollen. Oberer Reisszahn (P *) länglich dreieckig, mit starkem Innenhöcker am V order­rand. M l quer verlängert, kürzer als breit, dreihöckerig. M 2 (wenn vorhanden ) winzig. Unterer Höckerzahn (M?) klein. Unterer Reisszahn (Mi) mit mässig entwickeltem grubigem oder schneidendem Talon. Beine ziemlich lang, schlank. Klauen lang, nicht retractil. Lebend und fossil in Europa, Asien, Nord- und Süd-Amerika. Fossil vom oberen Eocaen an. Stenoplesictis Filhol. Fig. 540. Schädel klein, langgestreckt, Unterkiefer schlank. Zahnformel: j ~ Oberer Reisszahn (P x) gestreckt dreieckig, mit hoher, scharfer Aussenspitze, niedrigem Hinterzacken und ziemlich weit vorgeschobenem Innenhöcker am Vorderrand. M l dreiwurzelig, sehr kurz, quer verlängert, mit drei Höckerchen; M 2 winzig oder fehlend, einwurzelig. Unterer Reissznhn (Mi) mit zwei Aussenzacken, einer ziemlich kräftigen Innen­spitze und einem sehr kurzen grubigen Talon. Mi klein, mit drei vorderen

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