Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)
Bestände - I. Zeitreise
Zeitreise 91 8 Friede mit den Osmanen - oder bloß Waffenstillstand ? 1 562 August 2, Konstantinopel Sultan Süleyman I. „der Prächtige" ratifiziert den mit Ferdinand I. vereinbarten Frieden Papier (305 x 39,5 cm), prunkvolle Tugra, osmanisch-türkisch Türkische Urkunden 1562 VIII 2 Im Jahre 1547 war zum ersten Mal in schriftlicher Form ein Waffenstillstand zwischen Habsburgern und Osmanen fixiert worden, der allerdings nicht einmal die vereinbarte Dauer von fünf Jahren hielt. 1551 eskalierte der Konflikt um die Oberhoheit über Siebenbürgen, Ferdinands Truppen marschierten ein, während gleichzeitig die vereinbarte Zahlung von 30.000 Dukaten unterblieb. Sofort wurde Ferdinands ständiger Gesandter an der Pforte als Bürge für die Einhaltung des Vertrages eingekerkert und erst zwei Jahre später aus der Haft entlassen. Zu seinem Nachfolger wurde der Niederländer Ogier Ghislain de Busbecq ernannt, der gemeinsam mit dem Bischof von Pécs und dem Kommandanten der habsburgisch-ungarischen Donauflotte eine vorläufige Verlängerung des Waffenstillstandes erreichte. Busbecq brachte die heute zum Weltkulturerbe zählende Handschrift „Dioskurides" in die Wiener Sammlungen, ihm verdankt Europa Tulpe und Flieder, ihm gelang aber auch nach langwierigen Verhandlungen 1562 eine Verlängerung des Vertrages von 1547. Nur zwei Jahre nach dem Tod Ferdinands wurde dieses neue Abkommen bereits wieder gebrochen, als Süleyman zum 13. und letzten Mal persönlich einen Feldzug anführte; kurz vor der Einnahme der Festung Szigetvár starb der Sultan am 7. September 1566. Ernst Petritsch