Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)
Gebäude - Manfred Wehdorn-Michael Wistawel: Zur Reviatlisierung
66 Zur Revitalisierung Kriegsarchiv geräumt und zur Unterbringung der restlichen Bestände auf Kompaktusanlagen umgerüstet werden. Die Aussiedlung wurde generalstabsmäßig mit genauen Übersiedlungslisten unter manueller Hilfeleistung eines Sozialprojektes des Arbeitsmarktservices und mit Freigängern durchgeführt. Das Dachgeschoß der Österreichischen Nationalbibliothek war bereits mit Regalen eingerichtet, so daß man dort das erste Ausweichquartier bezog. Die Aussiedlung begann mit einem Archivalientransport am 21. April 1998; bis in den Spätherbst des Jahres wurden hier etwa 900 Kubikmeter Archivalien untergebracht. Parallel dazu wurden die Räumlichkeiten im „Leopoldini- schen Keller" bau- und klimamäßig für das Archiv adaptiert und mit Regalen eingerichtet. Die Unterbringung im zweiten und dritten Kellergeschoß im Bereich des alten Hofkellers unterhalb des legendären „Gipsdepots" entbehrte nicht gewisser skurriler Züge und konnte trotz aller Bemühungen nicht auf ideale Lagerbedingungen gebracht werden. Die Besiedlung dieser Räume dauerte von Dezember 1998 bis September 1999 und umfaßte 1.500 Kubikmeter Archivalien. Der letzte Anteil mit nochmals etwa 1.000 Kubikmeter Archivalien und Bibliotheksbeständen wurde in den umgerüsteten Speicher im Zentralarchiv von Jänner 2000 bis September 2000 eingelagert. Im Oktober 2000 wurde mit einer „Woche der offenen Tür" offiziell Abschied vom Gebäude Minoritenplatz genommen. Die Übersiedlung der Büros und des Lesesaals erfolgte im Jänner 2001; die letzten Transporte verließen erst im März 2001 das Haus. Vom Projekt zur Fertigstellung: Die Realisierungsphase Das letztlich realisierte Projekt ging von einem ganzheitlichen funktionalen und brandschutztechnischen Konzept für das gesamte Gebäude des Haus-, Hof- und Staatsarchivs aus, das alle Bauteile von Verwaltungs- und Archivbau erfaßte, überprüfte und - so notwendig - funktional neu ordnete. Die Beachtung wirtschaftlicher Aspekte war hierbei von gleicher Bedeutung wie jene der denkmalpflegerischen Anliegen. Methodisch baute der Entwurf auf dem vom Wirtschaftsministerium geprüften und durch Prüfbericht vom 5. Juli 1999 freigegebenen Vorentwurf auf. Brandschutztechnisch wurde mit dem bereits erwähnten Begriff eines „akzeptierten Restrisikos" operiert, unter welchem jeder unter drei Minuten liegende Zeitraum von Brand(Schwel)beginn bis zum Eingreifen der Feuerwehr verstanden wird. Inhaltlich umfaßte der Entwurf in diesem Sinn ein minimiertes Projekt, welches jedoch - dies muß ausdrücklich unterstrichen werden - allen Anforderungen aus funktioneller, brandschutztechnischer, bauphysikalischer und denkmalpflegerischer Sicht entsprach. Das bauliche Sanierungskonzept Das bauliche Sanierungskonzept ging von einer weitestgehenden Minimierung der baulichen Eingriffe aus, welche sowohl den wirtschaftlichen wie den denkmalpflegerischen Intentionen entsprach. Der generelle Bauzustand, der aus statisch-konstruktiver Sicht im wesentlichen als sehr gut bezeichnet werden konnte, war jedoch von einem weitgehenden Verbrauch des Ausbaues (Putzoberflächen, Bodenbeläge, Elektro- und Stahl-Glas-Ummantelung des neuhergestellten Liftes für den Bürotrakt im Innenhof zum Bundeskanzleramt