Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Gebäude - Werner Kitlitschka: Die Treppenhausgemälde im Haus-, Hof- und Staatsarchiv

Die Treppenhausgemälde im Haus-, Hof- und Staatsarchiv 59 Maria Theresia gründet 1749 das Geheime Hausarchiv, Carl Peyfuss, 1902 identifiziert und hinsichtlich der Genese des Gemäldes einige bemerkenswerten Details überliefert, die er Erzählungen des Malers Peyfuss verdankt. Diesem Bericht zufolge hatte der Künstler einige Tage vor dem angesagten Besuch erfahren, der Kaiser beab­sichtige, nur „in Kappe" zu kommen, was nach den Bestimmungen des Hofzeremoniells zur Folge gehabt hätte, „daß die ihn empfangenden Herren nur im schwarzen Frack mit weißer Binde und nicht in Uniform zu erscheinen hatten". Peyfuss hätte in einem sol­chen Falle nur ein sehr monotones Gruppenbild ohne die koloristischen Akzente ver­schiedener Uniformen und Trachten schaffen können. In seiner Sorge bat der Maler den kaiserlichen Leibkammerdiener Eugen Ketterl um Hilfe und konnte auf diesem Wege erreichen, daß Kaiser Franz Joseph den Empfang mit dem Federhut als Kopfbedeckung absolvierte. Somit hatten die Beamten der Ministerien und des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, soweit sie Offiziersrang bekleideten, in ihrer Militäruniform zu erscheinen, die anderen Beamten österreichischer Staatsangehörig­keit im Diplomatenfrack. Angehörige des Königreichs Ungarn durften sich über eigenen Wunsch gegebenenfalls im nationalen Festkleid zeigen. Peyfuss hielt sich bei dieser bildhaften Inszenierung eines wichtigen historischen Ereignisses, die den Charakter einer Momentaufnahme vorgeben sollte, keineswegs völ­lig sklavisch an die tatsächliche geschichtliche Wirklichkeit. So wurden etwa zwei Personen, die mangels Uniform an der Feierstunde nicht hatten teilnehmen dürfen, aus kollegialen Gründen dennoch im Frack auf dem Gemälde festgehalten. Nicht zuletzt des farbenprächtigen Ornates wegen fügte Peyfuss auch den Sektionsrat und päpst­lichen Hausprälaten Dr. Schrauf, der wegen schwerer Erkrankung dem Kaiserbesuch

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