Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)
Friedrich Polleross: Arbor Monarchia
194 Arbor Monarchica Prämers tabellarisch-chronologisches Lexikon der Weltgeschichte steht mit seinem eschatologischen Weltbild in der Tradition der auf der Vision des Propheten Daniel basierenden Lehre von den vier Weltreichen, das in Österreich bis zur Aufklärung vorherrschend war. Ungeachtet dieses altertümlichen Cliederungssystems war der Hofkriegsrat jedoch bestrebt, auch neueste historische und geographische Werke auszuwerten und als Quellen seiner Arbeit anzuführen. So zog Prämer die bekanntesten antiken sowie frühchristlichen Historiker heran (wie Herodot, Plutarch, Eusebius von Caesarea) und zitierte auch mittelalterliche Autoren wie Otto von Freising und Philippe de Commines. Er war mit humanistischen Werken von Aeneas Silvius Piccolomini über Nikolaus Reusner, Gerhard Mercator und Jacopo Strada bis Justus Lipsius vertraut. Als jüngstes Werk nennt er die erst ein Jahr vorher veröffentlichte Biographie Leopolds I. von Giovanni Battista Comazzi (1697). Zur Geschichte der asiatischen Reiche benutzte er u. a. Sigmund von Herbersteins Rerum Moscoviticarum Commentarij (1549) sowie Nikolaus Reusners Orationum Turciarum (Leipzig 1596). Als Quelle zur Geschichte Amerikas diente ihm die Geschichte der Inka und des Königreiches Peru des Indiano Garcilaso de la Vega von 1606-17 sowie die História de la Conquista de Mexico von Antonio Solis y Rivadenaira aus dem Jahre 1 684. Wie in den vorangegangenen Werken Prämers sind die Habsburger Ziel- und Mittelpunkt der ganzen Publikation. Die Widmung an den Kaiser schließt mit dem Wunsch, daß diser nach Weissagung Danielis lezt grünende Stamm, verstehe die Röm: Monarchia, in Euer Kay: May: mit unzehlichen lahren noch also forthwachse, undt flo- rire, auch dero Giorwürdigsten Stammen Hauß nicht ehender auffhöre zur blühen, undt disen Stamm, mit denen annehmblichsten Früchten zur beziehren, biß der allgemainer Untergang daß letzte Saecutum der Weldt endigen undt beschlüssen werdte. Vor der Wurzel des aus der Erdkugel wachsenden Stammbaumes enthüllt Chronos als Repräsentant der Zeit die Geschichte. Deren Personifikation, wahrscheinlich die Muse Klio, hat die Ereignisse in die Bücher der Geschichte eingetragen. Einige dieser Werke sind im Vordergrund dargestellt, darunter die Antiquitatum ludaicarum Lib. XX des Flavius Josephus sowie der Prodromus Históriáé Literariae des kaiserlichen Hofbibliothekars Petrus Lambeck. Der Stamm des Monarchenbaumes beginnt mit Adam und verläuft in der Mitte der weiteren Blätter gerade nach oben bis zu Leopold I. Davon gehen die acht HaubtThaille oder Äste und zahlreiche kleinere Zweige nach rechts und links fast symmetrisch aus. Die Angaben zu den verschiedenen Reichen und Herrschern sind in Kartuschen eingeschrieben, die auf die Äste verteilt und untereinander mit Ketten verbunden sind. Der durch eine Krone gekennzeichneten Kartusche der Monarchen sind jeweils kleine Zweige mit den für diese Regierungszeit wichtigen Personen und Ereignissen zugeordnet. Teil I enthält den ersten Hauptzweig mit den Patriarchen des Alten Bundes. Der zweite Abschnitt zeigt den zweiten Hauptast mit dem ersten Weltreich, d. h. mit den assyrischen Herrschern von Nimrod bis Sardanapal sowie den babylonischen, unter denen auch Nebukadnezar erscheint. Die zweite bzw. Persische Monarchie von Kyros bis Darius sowie das mit Alexander dem Großen beginnende Griechische Reich sind auf dem dritten Teil der Kupferstichserie vereint. Das vierte und Römische Weltreich ist hingegen mit seinen vier Hauptästen auf vier Tafeln verteilt: von Caesar bis Maxentius, von Konstantin bis zu Karl dem Großen, von Karl dem Großen bis Konrad IV. sowie von Rudolf I. bis zu Leopold I. Die sieben Tafeln sind jeweils ca. 117 x 212 cm groß und aus zehn einzelnen Kupferstichen zusammengesetzt. Fünf der Teile sind signiert: Schmuzer fecit Viennae 1698 (Nr. 1), Mayr sculp. (Nr. 2), Jacob Schmuzer fecit {Nr. 3) sowie Johann Franck von Langgraffen Viennae (Nr. 4) und de Langgrafen sculpsit Viennae (Nr. 5). Beim erstgenannten Künstler handelt es sich vermutlich um den vornehmlich als Waffengraveur bekannten Vater der Reproduktionsstecher Johann Adam, Andreas und Joseph Schmutzer. Johann Franck de Landgraffen ist als Stecher eines Titelblattes für das Werk