Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)
Bestände - IV. Kultur
156 Kultur 1 Kaiser Rudolf II. als Kunstsammler 1595 Oktober 7, Rom Bericht des Botschafters Rudolf Coraduz über Kunstwerke und Antiquitäten, die der Kaiser für seine Sammlung erwerben könnte In den Jahren 1593 bis 1595 bereiste der spätere Reichsvizekanzler Coraduz Italien, um die Fürsten zur Unterstützung des Kaisers im Krieg gegen die Türken aufzufordern. Neben dieser recht diffizilen Aufgabe hatte er noch einen Sonderauftrag zu erledigen: Er sollte gute Künstler aller Sparten zur Arbeit für den Kaiser gewinnen, aber auch nach seltenen Kunstwerken zur Bereicherung der Sammlungen Ausschau halten. Über diese beiden Aufgabenkreise berichtete Coraduz in einigen Briefen, die an den Kaiser zu eigenen Händen gerichtet sind. Bei der Suche nach Altertümern und Kunstwerken bediente er sich offenbar einiger Mittelsmänner, die ihm in verklausulierter Form über vorhandene Schätze in mehreren römischen Palästen berichteten. Einer dieser Kunstagenten behalf sich bei der Angabe der Größe von zwei Kunstwerken mit der Überreichung von vier Spagatstücken, welche die Breite des Steins oder die Länge des ganzen Werkes angeben. Diese Abmessung bezieht sich vermutlich auf eine Gruppe „David und Goliath", deren Transport nur sehr schwer durchzuführen wäre. Viele der von Coraduz und anderen Agenten angebahnten Kunstkäufe kamen nicht zustande, größtenteils weil die finanziellen Möglichkeiten des Kaisers mit seinen hohen künstlerischen Ansprüchen nicht Schritt halten konnten. Papier, Schnüre zur Maßangabe in gefalteten Blättern beigelegt, deutsch Staatenabteilungen Rom Korrespondenz 47 Elisabeth Springer