Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)
Bestände - III. Haus - Hof - Staat
146 Staat 8 Die Maria-Theresianische Staatsreform 1750/1751 (?) Politisches Testament Maria Theresias („Mémoire von Ihrer Majestät der Kaiserinn von allem, was sie seit Antritt ihrer Regierung unternohmen und angeordnet hat") Kanzleimäßige Ausfertigung oder Abschrift, Papier, 74 Folien, deutsch Kabinettsarchiv, Kaiser Franz Akten 212 Der Tod Kaiser Karls VI. (1711-1740) stürzte die Monarchie in eine fundamentale Überlebenskrise. Karl hatte sich jahrzehntelang bemüht, der Pragmatischen Sanktion (Nr. 7) internationale Anerkennung zu verschaffen und so seiner Tochter Maria Theresia eine problemlose Herrschaftsübernahme zu ermöglichen. Der nach seinem Ableben im Oktober 1 740 ungeachtet papierener Zusagen über Österreich herfallenden Koalition europäischer Mächte vermochte sich Wien nur mit großer Mühe zu erwehren. Der Österreichische Erbfolgekrieg (1740-1748) zeigte in aller Deutlichkeit die großen Verwaltungsdefizite der Habsburgermonarchie, gerade im Vergleich mit dem neuen Hauptfeind Preußen, auf. Wollte man die vorhandenen Ressourcen besser nutzen und sich im europäischen Staatensystem behaupten, bedurfte es einer grundlegenden Reform der zurückgebliebenen staatlichen Strukturen. Die Staats- und Verwaltungsreform Maria Theresias setzte noch während des Krieges ein und war der Auftakt zu einem schließlich alle Lebensbereiche erfassenden Modernisierungswerk. Die Stände in den Ländern wurden weitgehend entmachtet, die Steuerleistungen deutlich erhöht, der bürokratisch gefestigte Zentralstaat und seine Verwaltung begannen auf den einzelnen Untertanen zuzugreifen. In ihrem sogenannten „Politischen Testament" läßt Maria Theresia nach einem berühmt gewordenen Lamento über den katastrophalen Zustand der Habsburgermonarchie bei ihrem Herrschaftsantritt die ersten Reformschritte ihrer Regierungszeit Revue passieren. Michael Hochedlinger