Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - II. Der Stoff, aus dem Geschichte ist

104 Der Stoff, aus dem Geschichte ist 4 Eine russische Goldbulle 1514 Februar - März, Moskau Großfürst Vasilij III. von Moskau ratifiziert den Bündnisvertrag mit Maximilian I. Pergament, Goldbulle, russisch Allgemeine Urkundenreihe 1514 ll-lll Mit dem abgebildeten Vertrag, der ältesten im Haus-, Hof- und Staatsarchiv erhaltenen Urkunde in kyrillischer Schrift, verständigten sich Großfürst Vasilij III. (siehe auch Nr. VI/4) und Kaiser Maximilian I. über ein Bündnis, das primär gegen König Sigismund I. von Polen gerichtet war; sein Ziel war die Wiedererlangung der von Polen eroberten Gebiete, die Rußland und der Deutsche Ritterorden beanspruchten. Tatsächlich war Maximilian, dessen Truppen sich mit Frankreich und Venedig im Kriege befanden, aber gar nicht in der Lage, Polen militärisch anzugreifen, weshalb er den Vertrag auch nur mit Vorbehalt ratifiziert hat. In der Praxis hatte das Bündnis zwischen dem Kaiser und dem Moskauer Großfürsten keine besonderen Folgen. Bereits im darauffolgenden Jahr 1515 erfuhr das Verhältnis zwischen Maximilian I. und Sigismund I. nämlich eine grundlegende Änderung durch die habsburgisch-jagiellonische Doppelhochzeit zwi­schen den Enkeln des Kaisers (Ferdinand und Maria) und den beiden Kindern Wladislaws II., Anna bzw. Ludwig. In die Hochzeitsverhandlungen war auch der polni­sche König Sigismund L, Bruder Wladislaws II., eingebunden worden, der der Doppelhochzeit formell seine Zustimmung erteilte. Ernst Petritsch

Next

/
Oldalképek
Tartalom