Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)
Bestände - II. Der Stoff, aus dem Geschichte ist
100 Der Stoff, aus dem Geschichte ist Japanisch (Nr. II/7) ein. Da das Haus-, Hof- und Staatsarchiv zu den jeweils für die außenpolitischen Beziehungen zuständigen Behörden ressortierte, lassen sich nahezu alle Schriften der Welt in den Beständen nachweisen. Kommunikation erfolgt nicht nur über übliche und sozusagen alltägliche Formen der Schriftlichkeit. Als kleiner Ausflug in die Welt der Notenschriften wird eine Chorainotation auf dem Vier-Linien-System gezeigt (Nr. II/2). Eine davon ganz unabhängige Entwicklung ist auf dem Gebiet der Geheimschriften mit Chiffren und allen Arten von Sonderzeichen zu beobachten (Nr. II/5). Auf andere Formen der Geheimhaltung im Bereich der Diplomatie wie die Verwendung unsichtbarer Tinten kann hier nur hingewiesen werden (Nr. II/9). Eine wichtige Rolle bei schriftlichen Aufzeichnungen spielt der Beweis für die Echtheit ihres Inhaltes in Form der Beglaubigung. Dieses Mittel wurde besonders mit der zunehmenden öffentlichen Rechtskraft der Urkunden bedeutsam. In Zeiten, da nur wenige lesen und schreiben konnten, verwendete man eine bildliche „Darstellung" des Urkundenausstellers in Form des Siegels. Insgesamt hat das Siegel mehrere Funktionen zu erfüllen. Es macht den Aussteller im Schriftstück gegenwärtig, es kann als Beglaubigungsmittel und als Verschlußsiegel dienen. Es wird aber auch in den oben genannten Fällen zum Ausdruck der rechtsverbindlichen Willenserklärung (Nr. 11/11, 11/12), so daß schließlich das Siegel (oder der Stempel) zum Synonym für Amtlichkeit wird. Als Materialien für Siegel werden Wachs, Metall (Blei, Silber oder Gold) und auch Lack verwendet. Mit der Zunahme der allgemeinen Schriftlichkeit wird im Rechtsverkehr der späteren Neuzeit die persönliche Unterschrift (Nr. 11/13) zum bevorzugten Beglaubigungsmittel gegenüber dem Siegel, obwohl dieses bei Verträgen oder in vereinfachter Form als Stempel seine rechtliche Bedeutung behaupten konnte. Im Computerzeitalter werden wir aber vielleicht auch dafür neue Formen entwickeln müssen, ja haben sie teilweise schon - etwa in Gestalt der „elektronischen Signatur" - geschaffen. Emst Petritsch/Elisabeth Springer/Leopold Auer