Emerich Bielik: Geschichte der K. u. K. Militär-Seelsorge und des Apostolischen Feld-Vicariates (Wien, 1901)
II. Theil. Die militär-geistliche Hierarchie und die Militär-Seelsorge nach der Errichtung des Apostolischen Feld-Vicariates - 1. Capitel. Das Apostolische Feld-Vicariat
88 Errichtung eines eigenen Feld-Yicariates mit dem Beifügen angeordnet, dass die oberste Feld-Kaplaneistelle demBistlium Wiener-Neustadt einverleibt werde. Der damalige Bischof von Buremonde, Dr. Heinrich Kerens, wurde zum Administrator des Bisthums von Wiener-Neustadt und zugleich zum Apostolischen Feld-Yicar mit einem Gehalte von 6000 fl. und freier Unterkunft in Wien ernannt1). Papst Clemens XVI erließ nun über Ansuchen der Kaiserin am 22. December 1773 ein Breve an den Apostolischen Pronuntius in Wien, Cardinal Anton Eugen, mit welchem er denselben ermächtigte, dem Bischof Kerens die geistliche Jurisdiction über die kaiserliche Armee für Kriegs- und Friedenszeiten zu übertragen. Auch Papst Pius VI erließ im Jahre 1778 am 12. October an den Bischof Kerens ein Breve, welches mit jenem des Papstes Innocenz XI gleichlautend ist und nach welchem der j eweilige Feldbischof, Armeebischof, Apostolische Eeld- Vicar, der aber nicht unbedingt mit dem bischöflichen Charakter ausgezeichnet sein muss, mit den für sein Amt erforderlichen Facultäten versehen wurde. Infolge der kirchlichen Eintheilung Österreichs wurde im Jahre 1785 das Bisthum von Wiener-Neustadt der Erz- diöcese Wien einverleibt und das Bisthum und Domcapitel von Wiener-Neustadt nach St. Pölten übertragen. Bischof Dr. Kerens und seine drei Nachfolger auf dem bischöflichen Stuhle in St. Pölten leiteten auch das Apostolische Feld-Yicariat; doch war letzteres dem Bisthume St. Pölten nicht incorporiert und die Apostolischen Feld- Vicare waren vom Jahre 1826 angefangen nicht mehr Bischöfe von St. Pölten. *) *) K. u. k Hofkammerarcliiv, Eccl. ex 1773.