Emerich Bielik: Geschichte der K. u. K. Militär-Seelsorge und des Apostolischen Feld-Vicariates (Wien, 1901)

I. Theil. Die militär-geistliche Hierarchie und die Militär-Seelsorge vor der Errichtung des Apostolischen Feld-Vicariates - 3. Capitel. Die Militär-Seelsorge

77 Aber neben diesen Lichtseiten des kaiserlichen Heeres erblicken wir auch manche tiefe Schatten. Das degenerierte Landsknechtthum mit allen seinen Entartungen und die vieljährigen Kriege führten eine beklagenswerte Verwilderung der Sitten herbei. Und so zeigten sich neben glänzenden Kriegertugenden Erscheinungen, welche vor dem Richterstuhle der Moral und Humanität nicht bestehen können. Zur Schilderung der Sitten jener Zeit ist zu bemerken, dass zur Verhinderung der in den Annalen jener Zeit fast ununterbrochen beklagten Excesse und Länderverwüstungen jeder Colonne 2 Profoßen, 1 Scharfrichter und 1 Kaplan beigegeben wurden und »Alle, welche in flagranti beim Excessemachen, Plündern, Feldfrüchte-Verheeren etc. er­tappt, wurden ohne Anfrag mit dem Leben gestraft.« Damals herrschte eine Verwilderung der Sitten, gröb­liche Gewalttätigkeiten und das alte Soldatenlaster der Trunkenheit sowie eine horrende Mangelhaftigkeit der Rechtsanschauungen. Es fehlten alle Begriffe von Zucht und Sittlichkeit, und es war ein crasser Aberglaube ver­breitet. Der 25. Kriegsartikel setzt den Feuertod auf Zauberei und Bündnisse mit dem Teufel. Diese Greuel jener Zeit dürfen aber nicht auf Rechnung der Heerführer gesetzt werden, denn Graf Montecuccoli, Karl von Lothringen, der edle Ritter Prinz Eugen von Savoyen und mit ihm viele andere waren wahre Muster aller Soldaten- und Feldherren-Tugenden und — wie alle wahren Helden — fromm und gottesfürchtig; begannen ja alle ihre Befehle vor dem Feind mit den Worten: »Im Gelaite Gottes.« Man war bemüht, durch strenge Disciplin und mit barbarischen Strafmitteln die aus allen Ländern zusammen-

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