Manfred Fink (Hrsg.): Das Archiv der Republik und seine Bestände. Teil 1 : Das Schriftgut der 1. Republik und aus der Zeit von 1938 bis 1945 (1996)
Gruppe 04: Inneres/Justiz (Rudolf Jerabek’, Heinz Placz) - Dollarpakete
Bestandsgruppe 04 Archiv der Republik 04R204/1 Präsidentschaftskanzlei Dollarpakete 1921 1 Karton Provenienz(en): Komitee zur Verteilung amerikanischer Dollarpakete 1921 - 1921 Bestandsschwerpunkt(e): Lebensmittelhilfe für Österreich für: Kinder, Kranke, Alte, Arme, Arbeitslose, Invalide und Intellektuelle (Künstler, Musiker, Schriftsteller, Gelehrte, Professoren, Ärzte, Anwälte, Architekten, Techniker und Beamte) Bestandsbeschreibung: Nach dem 1. Weltkrieg litt Europa, wie auch der Rest der alten Monarchie Österreich, Hunger. In Wien hatten von etwa 340.000 Kindern fast 93 Prozent nicht genügend zu essen. Durch die American Relief Administration Warehouse lief eine humanitäre Aktion an, die durch Lebensmittelpakete-Sendungen verwirklicht wurde. Diese gut organisierte Aktion versorgte vorerst die Kinder in Österreich. Über ein flächendeckendes Netz wurden Ausspeisungsstellen der amerikanischen Kinderhilfsaktion eingerichtet. Diese wurden durch die verschiedenen Hilfsorganisationen, wie die Kirche, Caritas, Jugendverbände, Kinderfreunde u. a. durchgeführt. Weiters wurden, nach Ansuchen, auch Dollarpakete an Familien oder Einzelpersonen mit Kindern abgegeben. Neben Kranken-, Waisenhäusern und Siechenheimen wurden auch an Frauen-, Altenversorgungs-, Arbeitslosen- und Kriegsinvalidenvereine u. a., vermehrt auch an Einzelpersonen die Dollarpakete verteilt. Durch neuerliche Dollarspenden vom Commonwealth-Fund konnten ganze Berufsgruppen und Gesellschaftsschichten mit Paketen versorgt werden. So gab es eine Spende für Intellektuelle, wobei das Komitee taxierte, welche Berufsgruppen hierdurch in den Genuß kommen sollten. Dies waren dann bildende Künstler, Musiker, Schriftsteller, Gelehrte und Professoren, Ärzte, Anwälte, Architekten und Techniker. Später wurden auch Beamte mit Dollarpaketen versorgt. Auf Listen wurden die Empfänger der Pakete beurteilt und evident gehalten, so z. B. der Walzer- und Marschkomponist Karl Michael Ziehrer (AdR, PK/DP, ZI. 299/1921). Die Verteilung in Österreich wurde durch ein eigenes Komitee geleitet, dessen Sitzungen in der Präsidentschaftskanzlei stattfanden. Den Vorsitz im Komitee zur Verteilung amerikanischer Dollarpakete führte zeitweilig Präsident Seitz und später Bundespräsident Hainisch. Weiters wirkten u. a. mit: Abgeordnete Emmi Stradal, Adelheid Popp, Olga Rudel-Zeynek. Von der Präsidentschaftskanzlei wirkten Sektionschef Dr. Löwenthal und der damalige Ministerialrat Wilhelm Klastersky mit. 210