Manfred Fink (Hrsg.): Das Archiv der Republik und seine Bestände. Teil 1 : Das Schriftgut der 1. Republik und aus der Zeit von 1938 bis 1945 (1996)
Gruppe 04: Inneres/Justiz (Rudolf Jerabek’, Heinz Placz) - Ministerratsprotokolle
Archiv der Republik Bestandsgruppe 04 amtes durch die Nationalsozialisten und durch die Ermordung des Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß unterbrochen wurde, keine Protokolle vorhanden sind. Die Sitzung desRumpfministerratesfandin einem anderen Gebäude statt. DaaberderProtokollführer im Bundeskanzleramt festgehalten wurde, hatte man auf die Protokollierung der Ministerratssitzungen verzichtet. Der letzte Ministerrat unter Bundeskanzler Dr. Kurt Schuschnigg war am 21. Februar 1938 (AdR, MRP1, Nr. 1.069). Der neue Bundeskanzler, Dr. Arthur Seyss-Inquart, hielt die nächste Sitzung am 12. März 1938 um 11.30 Uhr ab (AdR, MRP 1, Nr. 1.070). Am Nachmittag desselben Tages wurde von 17.00 Uhr bis 17.05 Uhr der letzte Ministerrat abgehalten (AdR, MRP1, Nr. 1.071). In diesem, geleitet durch den nun neuen Reichsstatthalter in Österreich, Dr. Arthur Seyss-Inquart, wurde der Anschluß an das Deutsche Reich per Bundes-Verfassungsgesetz beschlossen. Insgesamt sind 207 Kartons mit Ministerratsprotokollen in chronologischer Reihenfolge vorhanden. Diese sind gut mit Geschäftsbüchern erschlossen. Acht Indizes erfassen den Zeitraum von 1920 bis zum Anschluß 1938. Von 1933 bis 1938 sind Nachschlagebücher über den Einlauf der Personalanträge vorhanden. Die Tagesordnungspunkte von 1920 bis 1932 sind in einem Band zusammengefaßt. Zurückgestellte Ministerrats- und Personalanträge: Diese Anträge sind auch im Ministerrats-Index und im Einlaufbuch der Personalanträge als "zurückgestellt" verzeichnet. Die in einem Karton abgelegten Anträge umfassen den Zeitraum von 1933 bis 1938. Nicht mehr erledigte Personalanträge: Diese, in einem Karton abgelegten Personalanträge, konnten aufgrund der Ereignisse im März 1938nichtmehr behandelt werden. Diese nichtmehrerledigtenPersonalanträge sind in keinem Geschäftsbuch verzeichnet. Eine Erfassung der Namen wird in nächster Zeit angestrebt. Zirkulare: Ab dem Jahr 1926 wurden außerhalb der Ministerratsitzungen Beschlüsse auch im Zirkulations weg eingeholt. Es waren dies oftmals Entscheidungen von dringlicher Art. Im Index sind diese Beschlüsse dann als "Cir." (alte Schreibweise = Circulare) bezeichnet und nicht numeriert, sondern nur mit dem Datum des Zirkulars näher bezeichnet. Die Zirkulare sind in zwölf Kartons (1926 - 1938) abgelegt. Der Bestand ist im Rahmen der geltenden Benützungsvorschriften des Österreichischen Staatsarchivs für die Forschung frei zugänglich. Bestandsgeschichte: Der Bestand wurde nach dem Anschluß an das Deutsche Reich im Zuge der Erfassung des Aktenmaterials im Bundeskanzleramt im Tresor aufgefunden und aufgrund einer Verfügung der Abteilung III des Ministeriums für innere und kulturelle Angelegenheiten (ÖStA/AVA, Kurrentakt, ZI. 565/1938) als "Schutzmaßnahme für die Registraturen der ehemaligen Bundesministerien" dem Reichsarchiv Wien (Staatsarchiv des Innern und der Justiz) übergeben. Ausdiesem Archiv wurde 1945 das Allgemeine Verwaltungsarchiv, eine Abteilung des Österreichischen Staatsarchivs. Im Zuge der Übersiedlung in den zentralen Neubau im Jahr 1988 wurde der Bestand vom Archiv der Republik übernommen. 187