Philatelia, 1924 (10. évfolyam, 1-10. szám)

1924-02-01 / 2. szám

20. oldal PHILATELIA 2. szám Die Flugpost von PrzemysL Von Prof. Dr. JOSEF KŐHEGYI. Die Briefschaften der Flugpost von Przemysl gehören zwar ganz genau genommen nicht in das Gebiet der Philatelie, sind aber trotzdem so interessante Gebilde des Weltkrieges, daß sie infolge der Umstände ihrer Entstehung selbst von Laien nicht ohne tiefe Ergriffenheit zur Hand genom­men werden können. Przemysl, die tanfere Festung des ehemaligen Galiziens, gehört nunmehr schon der Vergangen­heit an. Aber ihre ruhmvolle Verteidigung im Herbste und Winter 1914, ihre Übergabe an die Russen am 22. März 1915 und ihre Rückeroberung am Fronleichnamstage 1915 bleiben — von Freund und Feind gleich­mäßig anerkannt — auf immer goldumränderte Blätter der Welt­geschichte. Die traurigen Monate sind vorüber, in welchen über hun­derttausend Helden der ehe­maligen Monarchie, abgesperrt von ihren Lieben, mit immer mehr zur Neige gehendenLebens- mittelvorräten ihre Befreiung ersehnten. Von vielfacher Über­macht umringt, mußten sie mit lahmgeschossener Hoffnung Zu­sehen, wie der Ring der Feinde um sie herum immer enger wurde. Niemand konnte ihn durchbrechen — höchstens der Vogel in der Luft — und der Vogel der modernen Technik, das Flugzeug. Schon im französisch-deut­schen Kriege 1870/71 versuchte die eingeschlossene Bevölkerung von Paris im Wege von Ballons und Brieftauben von sich ein Lebenszeichen zu geben. Diese Methode, natürlich vervollkomm­net durch die neuesten tech­nischen Errungenschaften suchte auch die Besatzung des belagerten Przemysl in ihren Dienst zu stellen. Die Organisation der Flugpost und Ballonpost von Przemysl brachte Tausenden von besorgten Eltern, Frauen und Kindern Trost und Erleichterung. Przemysl, die mächtige Festung am San, wurde, wie bereits er­wähnt, von den Russen zwei­mal eingeschlossen. Während der ersten Belagerung, die vom 18. September bis 10. Oktober 1914 dauerte, waren in Przemysl die Feldpostämter 7, 21 und 82 in Tätigkeit, deren Abstempe­lungen ungarischen Text trugen. Die eigentliche Flugpost trat erst während der zweiten Be­lagerung, die vom 7. November 1914 ängefangen 135 Tage hin- durchbis zur Kapitulation dauerte, in Wirksamkeit. Die Briefschaf­ten der umschlossenen öster­reichisch-ungarischen Besatzung wurden teils mittels Flugzeugen, teils mittels Ballons und endlich auch durch Mitwirkung der 11. Fliegerkompagnie befördert. Das Inslebentreten der Flug­post wird in der Nummer vom 8. Jänner 1915 der in Przemysl erschienenen „Tábori Újság“ an­gekündigt, deren Leitartikel die entsprechende Verordnung des Festungskommandos enthält. Mit Hinsicht darauf, daß die Flug­zeuge Postsachen nur im be­schränktem Umfange mit sich nehmen konnten, erhielten die Offiziere einzeln, die Mann­schaftspersonen aber immer nur zu fünf zusammen je eine Flug­karte um den Preis von 50 Heller. Die Angabe des Truppenkörpers wurde naturgemäß seitens der Zensur verboten. Marken brauch-

Next

/
Oldalképek
Tartalom