Folia Theologica 22. (2011)
Kránitz Mihály: Der Pluralismus der Religionen aus dem Gesichtspunkt der Mission
58 Mihály KRÁNITZ VI. Die Gestaltung einer neuen Mission im interreligiösen Dialog Das das neue Jahrtausend eröffnende apostolische Schreiben Novo millennia ineunte (2001) von Papst Johannes Paul II. betont die Wichtigkeit des Dialogs mit den anderen Religionen auf die vom II. Vatikanischen Konzil bestimmte Weise. Die Christen müssen das vollkommene Zeugnis unter der grössten Berücksichtigung der Freiheit von allen darbieten. Die Botschaft des Evangeliums muss mit Mut verkündet werden, denn sie kann nicht durch den Dialog ersetzt werden, und man darf keine Angst haben, dass das ein Angriff gegen die Identität der anderen sein könnte. Neben dem Engagement für die Mission ist jedoch auch die für das Schweigen innerlich bereitwillige Gesinnung notwendig, denn „der Wind weht, wo er will" (Joh 3, 8), und der Geist Gottes erweckt nicht selten in der universellen Erfahrung des Menschen - trotz dessen mannigfältiger Widersprüche - die Zeichen seiner Anwesenheit, die auch den Jüngern von Christus behilflich sein können. Schon Papst Paul VI. weiste auf die Notwendigkeit der Evangelisierung in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii nuntiandi (1975) hin: „Die Evangelisierung ist die eigentliche Aufgabe der Kirche. Die Kirche weiß um diese ihre Aufgabe. Sie hat ein lebendiges Bewußtsein, daß das Wort des Heilands - „Ich muß die Frohbotschaft vom Reich Gottes verkünden" - voll und ganz auch von ihr gilt. Mit dem hl. Paulus fügt sie gern hinzu: „Von der Verkündigung des Evangeliums bleibt mir kein Ruhm. Es ist meine Pflicht. Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte!". Am Ende der großen Versammlung im Oktober hörten wir zu unserer Freude und unserem Trost das klare Wort: „Wir wollen erneut bekräftigen, daß die Aufgabe, allen Menschen die Frohbotschaft zu verkündigen, die wesentliche Sendung der Kirche ist", eine Aufgabe und Sendung, die die umfassenden und tiefgreifenden Veränderungen der augenblicklichen Gesellschaft nur noch dringender machen. Evan- gelisieren ist in der Tat die Gnade und eigentliche Berufung der Kirche, ihre tiefste Identität. Sie ist da, um zu evangelisieren, d.h. um zu predigen und zu unterweisen, Mittlerin des Geschenkes der Gnade zu sein, die Sünder mit Gott zu versöhnen, das Opfer Christi in der heiligen Messe immer gegenwärtig zu setzen, welche die Gedächtnisfeier seines Todes und seiner glorreichen Auferstehung ist."53 53 Evangelii nuntiandi 14.