Folia Theologica 22. (2011)

Kránitz Mihály: Der Pluralismus der Religionen aus dem Gesichtspunkt der Mission

DER PLURALISMUS DER RELIGIONEN ... 39 gleichen Zeit der Ort und das Ereignis der in Jesus Christus gegebenen Selbstmitteilung. In Ihm hat Gott seine Selbsthingabe der Menschheit geschichtlich und endgültig erfüllt, in der Gnade und Vergebung. Die menschliche Person kann Gottes Suche nicht anregen, weil die in Jesus Christus gegebene göttliche Selbstgabe die Quelle des Findens Gottes für uns ist. „Du könntest mich nicht suchen, wenn ich dich nicht schon ge­funden hätte." Aus dem Gesichtspunkt der christlichen Offenbarung ist die Geschichte des Heils, die sich in Jesus Christus erfüllt, ist mit der Geschichte der Welt koextensiv.11 Im Laufe der Geschichte der Mensch­heit erfährt jede einzelne Person die Darbietung der göttlichen Gnade, für sie sie sich durch die freie Handlung der Annahme öffnen soll. Sie verwirklicht entweder thematisch oder auf eine andere Weise, in der bewussten Auffassung der Person, die Gabe der Darbietung un der Gnade vollzieht sich immer konkret und existenziell in Jesus Christus. Was soll nach all dem unter den „anonymen Christen" verstanden werden? Der Ausdruck weist unmittelbar auf die universelle Anwe­senheit des Mysteriums von Jesus Christus hin, und nicht auf das von der christlichen Gesellschaft aufgefassten „Christentum", in dem der christliche Glaube ausdrücklich bekannt wird. Das „anonyme Chris­tentum" bedeutet, dass das Heil in Jesus Christus für jede menschliche Person erreichbar ist, auch in jeglicher geschichtlichen Lage, angenom­men, dass sich die Person, wenn auch auf verborgene Weise, für Gottes Selbstmitteilung öffnet, die ihre Höhepunkt im Jesus Christus-Ereignis erreicht hat. Das bedeutet auch, dass sie nicht durch eine einfache und sehbare Handlung des auferstandenen Gottes erreicht werden, son­dern auf verborgene Weise durch die Vermittlung der religiösen Tra­dition, zu der sie gehören. Das ist also ein anonymes oder implizites Christentum, aber es gibt auch ein ausgedrücktes, explizites Christen­tum. Beide sind „christlich", obwohl sie voneinander sehr entfernt sind. Die Theorie von Rahner stoss auf einen ziemlich grossen Wider­stand.11 12 Einige fanden den Ausdruck für die Nichtchristen beleidigend, 11 Rahner, K., Weltgeschichte und Heilsgeschichte, in Schriften zur Theologie, V. Einsiedeln 1962.115-135. 12 Die Einwendungen und die darauf gegebenen Antworten über die Auffas­sung von Rahner von den „anonymen Christen" werden zusammengefasst: D'Costa, G., Karl Rahner's Anonymous Christian - A Reappraisal, in Modern Theology 1 (1985/1) 131-148 Die bedeutendesten Gegenmeinungen: Bal­thasar, H. U. von, Cordula oder der Ernstfall, Einsiedeln 1966. Lubac, H. de., Paradox et Mystère de l'Église, Paris 1967. 153-156. Schillebeeckx, E., Glau­bensinterpretation, Mainz 1971.108ff.

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