Folia Theologica 22. (2011)
Fonk Peter: Erbschuld - Sühne - Gnade. Warum Kinder nicht für die Verbrechen ihre Väter verantwortlich sind
162 Peter FŐNK aus der Heilszusage Gottes an uns, so wie sie durch Jesus Christus vermittelt wurde. Das Wort Gottes an uns heißt nicht Gericht und Verdammnis, es heißt Gnade und Erlösung. Gott will, daß das Leben jedes Menschen gelingt. Damit tritt an die Stelle des resignativen Indikativs ein hoffnungsvoller Imperativ, der den ethischen und pas- toralen Grundauftrag für das Handeln der Kirche in der Welt von heute umschreibt. V. Gedanken zu einer verantworteten Tauftheologie Wenn die Kirche fortfährt, Kinder zu taufen, so wie sie es seit dem 4./5. Jahrhundert getan hat und mit guten Gründen auch in der Zukunft tun wird, dann rechtfertigt sich dieses Handeln aus der Sicht des Phänomens Erbsünde im Lichte der grundsätzlichen moralischen Verpflichtung, in welcher die Kirche gegenüber ihren Gläubigen steht. Die Taufgnade und die in ihr geschenkte Befreiung von der Last der Erbschuld geben jedem Menschen einen großen Vertrauens Vorschuß mit auf seinen Lebensweg, die erste unerschüt-terliche Zusage Gottes an den Menschen, der paradoxerweise seine Freiheit immer wieder dazu verwendet, dem Ja Gottes sein Nein entgegenzusetzen. Die erste Zusage Gottes aber wiegt schwerer: sein Ja zum Menschen bleibt bestehen, ganz gleich, in welche Richtung der Lebensweg dieses Menschen gehen wird, ob der Mensch auf diesem Weg strauchelt, ob er fällt, sich verletzt oder gar in die Irre geht. Die Taufe ist damit das erste Wort der Treue Gottes zum Menschen, das ihm im Anblick der Erbschuld zugesprochen wird. Das meint im übrigen auch das Zeichen des Kreuzes, das während der Taufliturgie auf die Stirn des Kindes gesetzt wird. Die Bindung an Gott, die Überantwortung dieses Menschen in seine Hände, gleichsam als sein Eigentum, impliziert umgekehrt die Zusage Gottes, sich niemals wieder von diesem Menschen zu trennen und die Manifestation seines Willens, daß dieser Lebensweg in jene Freiheit und Erfüllung führt, die der Mensch aus eigener Kraft nicht erreichen kann.