Folia Theologica 22. (2011)

Fonk Peter: Erbschuld - Sühne - Gnade. Warum Kinder nicht für die Verbrechen ihre Väter verantwortlich sind

154 Peter FŐNK die inzwischen unter dem gleichlautenden Titel1 erschienen ist. Gebo­ren 1930 als ältestes von zehn Kindern, verlebte er seine Kindheit in der nächsten Umgebung des „Führers" auf dem Obersalzberg. Die weitere Erziehung erfolgte auf einer Reichsschule der NSDAP und war konse­quent darauf angelegt, eine nationalsozialistische und antikirchliche Einstellung zu vermitteln. Das Ende des Krieges erlebte er zunächst als völligen Zusammenbruch seiner bisherigen Weltanschauung und konnte von einem Schulkameraden nur mühsam am Suizid gehindert werden. Auf abenteuerliche Weise gelang es ihm, unter falschem Na­men bei einer Bergbauernfamilie im Salzburgerland unterzutauchen. Während dieser Zeit erfuhr er durch die Zeitung, welche grauenvollen Verbrechen bis hin zum systematisch geplanten Völkermord während der Nazizeit begangen worden waren. Gleichzeitig wurde er mit der Erkenntnis konfrontiert, daß sein Vater zu den Leuten zählte, von de­nen Hitler seine Ideen bekam und von daher zu den Hauptverantwort­lichen für das unermeßliche Leid zählte, das über viele Menschen hereingebrochen war. Das Leben im Kreis der Bergbauernfamilie und die Erfahrung eines gelebten Christentums übten einen starken Eindruck auf ihn aus und halfen ihm bei der Ausheilung der eigenen tiefsitzenden Verwundun­gen, welche die Begegnung mit der tatsächlichen Vergangenheit ihm zugefügt hatte. So fand er den Weg zum katholischen Glauben, der ihn schließlich in die Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Missionare und zur Priesterweihe führte. Nach jahrelanger Missionstätigkeit in Afrika, während der er schwer erkrankte und zeitweilig in die Gewalt von Aufständischen geriet, kehrte er schließlich nach Deutschland zurück. Ein schwerer Autounfall hatte zur Folge, daß er sich von den Ordens­gelübden entbinden ließ und den dritten Lebensabschnitt als Reli­gionslehrer an einer Berufsschule verbrachte. Erst in den letzten Jahren seiner Lehrtätigkeit dort faßte er den Entschluß, im vierten Quartal seines Lebens, nach der Pensionierung, die eigene Geschichte aufzuarbeiten. Dieses Vorhaben verwirklichte er, als er seine Biographie niederschrieb und sie veröf­fentlichte. In der vorliegenden Form handelt es sich aber nicht nur um die Re­konstruktion biographischer Daten, sondern der entschlossene Zugriff auf die eigene Vergangenheit und das Gewordensein der eigenen 1 Bormann, M., Leben gegen Schatten. Gelebte Zeit - geschenkte Zeit. Begegnungen Erfahrungen - Folgerungen, Paderborn 19962.

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