Folia Theologica 22. (2011)

Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas II.

146 Csaba TOROK den afrikanischen Kirchen kritisch reflektiert41 und gilt für viele als Ar­gument gegen die lehramtlich propagierte Vorstellung über Inkultura­tion, einerseits weil sie vieles als unveränderbar erklärt, das in Wirk­lichkeit ein Teil des europäischen Gesichtes der Kirche ist, anderseits weil sie unfähig ist, den wichtigen Schritt der inneren, tiefen Umwand­lung der Kultur zu vollziehen. Die Schwäche des Inkulturationsparadigmas, wie es heute in der Kirche verwirklicht ist, ist bezüglich der existentiellen fundamentalen kulturellen Postulate noch markanter. Zahlreiche Missionsländer und auch unser alter Kontinent legen Zeugnis dafür ab, dass der seit langen Generationen gelebte christliche Glaube das Herz der Kultur nicht wirklich umwandeln und taufen konnte. Beweise dafür sind in großem Maß vorhanden. Einige meinen, die heutige Situation Europas sei darauf zurückzuführen, dass es nie wirklich in seinem Innersten von der Kraft und vom Licht des Evangeliums durchgedrungen wurde. Die massenhafte „Bekehrung" der Völker habe ihnen nur einen neuen Kult, aber nicht eine neue Weltanschauung gegeben. Die Gegenwart von heidnischen bzw. unchristlichen Elementen in der Volksfrömmigkeit, der populären Kulturtradition oder im ganz einfachen Alltagsleben, bedeuteten unter den Kriterien einer konkreten persönlichen Entschei­dung und Stellungnahme, dass die existentiellen fundamentalen kul­turellen Postulate nicht (ganz) christlich geworden seien. Aber dann stellt sich die Frage: Wenn Jahrhunderte dafür zu wenig waren, ist dann diese Art und Weise der Inkulturation, ins Herz der Kultur ein­zutreten, um sie umzuwandeln, überhaupt möglich? An diesem Punkt wollen wir unsere letzte Bemerkung formulieren. Wenn die christliche Botschaft wirklich ins Herz der Kultur eindringen würde, würde das bedeuten, dass die Kultur sich in ihrer Identität, in ihrem Wesen ändern müsste.42 Natürlich käme es dadurch auch zu 41 Zum Thema siehe Bujo, B., Wider den Universalanspruch westlicher Moral, Freiburg - Basel - Wien 2000, vor allem das III. Kapitel: „Kritische Betrach­tung - die Inkulturation der Moral als Herausforderung"; über die Schwie­rigkeiten bezüglich der Ehe siehe Hebga, M., Die Verallgemeinerung eines Besonderen siegt über die Suche nach der Universalität, in Concilium 20 (1984) 43-49, 45f. Die Afrika-Synode von 1994 bot vielen Bischöfen die Möglich­keit, sich zu diesem Thema ganz kritisch zu äußern. Vgl. auch Bujo, B., Africa e morale cristiana. Un processo d'inculturazione, Roma 1994. 42 Über diese Problematik siehe Aymes, M. de la Cruz - Buckley, F. J. (ed.), Effective Inculturation and Ethnie Identity, Roma 1987.

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