Folia Theologica 22. (2011)

Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas II.

136 Csaba TOROK theologischen Vision steht das Geheimnis der Kirche in Analogie: So muss die Beziehung der universalen Kirche zur partikularen, lokalen aufgefasst werden. So wie die göttliche Gabe, die Botschaft an die Men­schen katholisch ist, ist auch die Kirche katholisch: Die universale Kir­che steht über den Kulturen, aber sie existiert real und greifbar nur in den Lokalkirchen, die aber ständig kulturell bestimmt sind.13 14 H. de Lu- bac beschreibt sehr gut die beiden extremen Positionen: „Die Universal­kirche ergibt sich nicht in einem zweiten Moment, von der Addition der Teil­kirchen oder deren Konföderation; aber man kann sich die Teilkirchen auch nicht so vorstellen, als ob sie sich von der Aufteilung der Universalkirche er­geben würden, die vornehmlich früher existieren würde als sie. (...) Eine vor den Teilkirchen oder außerhalb von ihnen existierende Universalkirche ist nichts anderes als eine Abstraktion."u Wenn wir die Inkulturation aus einer hierarchischen und dedukti­ven Vision des Christusmysteriums und der Ekklesiologie ableiten wollen, dann wird unser Paradigma unfähig, mit der heutigen Welt in einen Dialog zu treten, und dadurch würde auch das Originalziel des ganzen Prozesses verfehlt. Deswegen schlägt Y. Congar eine andere Art und Weise des Fortschreitens vor: die induktive und phänomeno­logische.15 Der Mensch ist nur in der Kultur zusammen mit den andern Mitmenschen Person und genauso nur mit den Mitbrüdern in der Kirche Gläubiger. Daher ergibt sich als Fundament des Glaube-Kultur- Verhältnisses das Cornmunio-Prmz.ip. Wenn wir diese Grundregel ernst nehmen, dann wird auch der ers­te Punkt (ad primum) unserer Kritik beantwortet: Es reicht nicht aus, dass man auf Grund von generellen und universalen Normen das konkrete Wie des kulturellen Lebens des Glaubens ableitet, sondern man muss dieselben Normen adaptierend festlegen. Diese Stellung­nahme führt natürlich zur radikalen Neufassung der katholischen Theologie und zu einer gründlich neuen Anschauung des universalen 13 Vgl. LG 23. 14 Lubac, H. de, Pluralismo di chiese o unità della Chiesa?, Brescia 1973. 46. 15 Vgl. „L'approccio fenomenologico impegna a prendere coscienza della complessità, delle pluralité di situazioni ed opzioni, ed allontana dalla ten- tazione egemonica sullo sviluppo del mondo." Giuè, R., La teológia del rap- porto chiesa-mondo, 47.

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