Folia Theologica 22. (2011)

Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas II.

134 Csaba TOROK menschlichen Kulturen und ihren Grenzen, aber sie ist uns nur in einer kulturell bestimmten Form vorhanden.7 Deswegen wäre es naiv zu denken, dass die Inkulturation sich fol­genderweise verwirklicht: GlaubeKultur A---------► Kern des Glaubens---------► GlaubeKultur B Die Dekulturation8 und die Inkulturation kann man nicht trennen. Sie wären trennbar, wenn man eine Grenze ziehen könnte an dem Punkt, wo der Kern des christlichen Glaubens von einer kulturellen Bestimmung in die andere übergeht, eine Grenze, wo er, auch wenn nur für einen unwahrnehmbaren und rein abstrakten Moment, kultur­unabhängig vor unseren Augen stände.9 Aber dieser Status, diese Grenze ist in unserer existentiellen Wirklichkeit nicht gegeben, er kann nicht gegeben sein. Diese Überlegungen führen unseren Weg zu den weiteren Punkten. 2. Ad secundum Die Kapazität der christlichen Verhaltensnormen und der christlichen Botschaft, sich in alle Kulturen einzuwurzeln, hat eine Begründung theologischer Natur. Denn in der Mensch- und Fleischwerdung Christi sind alle Kulturen mit Gott in Beziehung getreten. Das einmalige Heilsereignis hat Gott mit den menschlichen Kulturen und sie mit Gott unwiderruflich vereint und in Gemeinschaft gestellt. Dieses Myste­rium ermächtigt und befähigt die Kirche, in jeder Kultur Wurzeln wachsen zu lassen und heimisch, ja sogar Fleisch zu werden. 7 P. Ricoeur hat interessante Gedankenführungen über das Verhältnis zwi­schen Hermeneutik und Kulturanalyse geschrieben, die auch theologische Implikationen haben. Siehe Carrier, H., Lengua y cultura, 315. 8 Der theoretische Prozess, der im Kontext der Inkulturation nichts anderes bedeutet als die Befreiung des Glaubens von den kulturellen „Kleidern", so dass am Ende nichts übrig bleibt als der kulturunabhängige Kern des Glaubens. 9 Hier wollen wir die Aussage Humboldts in Erinnerung rufen, dass der Mensch immer innerhalb des Kreises der Sprache lebe, er könne aus diesem Kreis nicht austreten, nur im Fall, wenn er gleich in einen anderen sprach­lichen Kreis eintrete. Siehe Akad. Ausgabe, VII. 60. Diese Überlegung gilt un­serer Meinung nach auch für die kulturelle Bestimmtheit des Menschen.

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