Folia Theologica 21. (2010)

Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas I.

INKULTURATION MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN ... 133 zogen sind.36 In Ländern, wo die christliche Mission schon eine Jahr­hunderte lange Geschichte hat, wird greifbar, wie mannigfach die Problematik der Begegnung der Kulturen ist. Es geht nicht nur darum, dass verschiedene Nationen in Kontakt kommen, sondern sehr oft auch darum, dass die beiden Partner ungleich sind, so dass die Annah­me des Christentums sehr oft einen Schritt vom primitiven zum ent­wickelten Zustand, von einer retrograden zu einer modernen Gesell­schaft bedeutete (und auch noch heute bedeutet).37 36 „So realisiert, wird sich die Inkulturation als dialektische Begegnung zwis­chen einer geschichtlichen Gestalt des christlichen Glaubens und einem spezifischen Kontext erweisen, in der die Kultur angenommen, herausge­fordert und auf das Reich Gottes hin transformiert wird und gleichermaßen der christliche Glaube aufgenommen, herausgefordert und durch diese spezifische Form seiner Verwirklichung bereichert wird." - Groome, T. H., Inkulturation. V. Praktisch-theologisch, in LThlC V. 509f, 509. 37 Die alte Frage kann nochmals gestellt werden: Je mehr Christen, desto weniger Analphabeten? Die christliche Mission bedeutete immer auch eine gewisse „Verwestlichung" der Eingeborenen, die durch das Schulsystem, neue gesellschaftliche Lebensformen usw. propagiert und fortgesetzt war. Dieser Vorgang hat bis heute eine kontraproduktive Konsequenz: Der Glaube und die Kultur wurden gleichzeitig weitergegeben, aber die kul­turellen Elemente wirkten schlussendlich gegen den Glauben. „Die Men­schen, die in der Wüste lebten und die Steppe durchwanderten, seien reli­giös. Die durch eine Schule gegangenen Menschen aber lebten immer weniger aus der Religion heraus." - Ohm, T., Machet zu Jüngern alle Völker, Freiburg im Breisgau 1962. 680. H. U. Beier konstatiert das gleiche Phä­nomen: Die meisten Konvertiten gewinnt die Kirche in Afrika durch die Erziehung, diese aber „(...) bedeutet in Afrika in erster Linie sozialen Auf­stieg, neue Berufs- und Verdienstmöglichkeit und Eintritt in das wohlha­bende, politisch mächtige Bürgertum. Die neue Religion geht in vielen Fäl­len nur mitdrein. So helfen paradoxerweise die christlichen Institutionen in Afrika, die christliche Bauern in materialistische Bürger zu verwandeln." - Beier, H.U., Christliche Kunst in Nigeria, in F AZ 21. XII. 1957; zitiert in Ohm, T., ibid. Deswegen halten es viele Theologen für wichtig, dass man der Ver­suchung der Verwestlichung in den Missionen widersteht und einen neuen Akzent auf die lokalen, nationalen Werte liegt. Die neue Herausforderung sei nichts anderes, als „die Bewahrung der volkseigenen Art mitten im un­vermeidlichen Wandel der Kultur." - Freytag, W., Die junge Christenheit im Umbruch des Ostens, Berlin 1938. 260. Andere bestätigen mit Freude, dass die Situation sich schon geändert hat - die Frage ist nur, ob die Freude be­gründet ist. „Es verdad que ha habido épocas en que, por un rigorismo mal entendido, se ha pecado demasiado de occidentalización en la presentación del evangelio y en la sistematización de la vida cristiana. Hoy, gracias a

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