Folia Theologica 21. (2010)

Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas I.

130 Csaba TOROK hin und wieder mit der von der europäischen Kultur bestimmten Kirche gleichgestellt wird. 2. Die reduzierte Auffassung - die Kirche als Richterin und Leiterin, die Kultur als Empfängerin - stellt nochmals ein seit langem erör­tertes Problem vor unsere Augen: Einerseits wird die Autonomie der Kultur bestätigt, anderseits wird sie unterschätzt und von der Selbstbehauptung der Kirche bedrängt und begrenzt. 3. Der Papst hat öfters das Thema der Bewahrung der eigenen Kul­tur skizziert, aber er hat gleichzeitig auch behauptet, dass man sich von ihren unguten Elementen lossagen muss. Daher entsteht eine gewisse Konfusion, es wird nämlich nicht untergesucht, wie weit eine solche Grundeinstellung praktikabel ist.22 4. Als tätiges Subjekt der Inkulturation wird die kirchliche Hier­archie - entweder der universalen oder der lokalen Kirche - dar­gestellt23. Ist es möglich, auf diese Weise von einer echten Inkul­turation zu reden? Kann die Kultur in diesem ganzen Vorgang wirklich nur passiv sein? 2. Generelle Voraussetzungen der Inkulturation24 Der Bedarf der Inkulturation ergibt sich aus dem Wesen des Christen­tums. „Der christliche Glaube in seiner authentischsten Struktur benötigt, dass er von den «Kleidern» befreit ist, die nicht seine eigenen sind, und dass er auf eine erneute Weise in das Leben von den Menschen der wandelnden Welt eingesetzt wirdZ'25 Diese schwierige Aufgabe - die Identifikation der kulturabhängigen, nicht eigenen „Kleider" und das neue Einsetzen 22 Damit gelangt man zum Autoritätsproblem: Wer kann entscheiden, was in einer Kultur gut und ungut ist? Wenn die Kirche als absolute Richterin dasteht, wird dann die Autonomie der Kultur nicht verneint? 23 M. M. Amaladoss meint stattdessen, dass das Subjekt der Inkulturation die lokalkirchliche Gemeinde bzw. Basisgemeinde sei, im Prozess ist der Mis­sionar Johannes dem Täufer ähnlich, und die Leiter der kirchlichen Hierar­chie haben als Aufgabe die Schaffung einer Atmosphäre des Vertrauens und der Freiheit; siehe Amaladoss, M. M., Inculturation and Tasks of Mission, 119f.l24f. 24 Zum Thema siehe Castro Quiroga, L.A., Tino a quando siamo invitati, 18-25. 25 Giuè, R., La teológia del rapporto chiesa-mondo e l'inculturazione nei documenti della Conferenza Episcopale Italiana, 1966-1989, Roma 1990. 25.

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