Folia Theologica 21. (2010)

Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas I.

126 Csaba TOROK I. Inkulturation - eine Antwort?* 4 Rein terminologisch kann man feststellen, dass das Wort „Inkultura­tion" vom Begriff „Enkulturation" abgeleitet wird5, der den Prozess beschreibt, durch den das menschliche Individuum in eine bestimmte analoge Weise in der Philosophie und in der Theologie (siehe dazu: Küng, H. - Tracy, D. [Hrsg.], Das neue Paradigma von Theologie. Strukturen und Di­mensionen, Zürich - Gütersloh 1986). Das Paradigma könnte als ein Leitbild oder - mit den Worten T. S. Kuhns - als eine „disziplinäre Matrix" definiert werden. „In Phasen normaler Wissenschaft ist sich die jeweilige Forschungsge­meinschaft über die Grundlagen ihres Tuns und die Spielregeln einig. Akzeptierte Theorien werden auf immer neue Phänomene angezvandt. Ein gemeinsames Leitbild- das Paradigma - dirigiert sie. Was sich dieser Sicht nicht einfügt, wird als Ano­malie abgedrängt." - Müller, K., Paradigma/Paradigmenwechsel, in Lexikon phi­losophischer Grundbegriffe der Theologie, Freiburg im Breisgau 2003. 304. Wenn wir von der Inkulturation als Paradigma sprechen, wollen wir ausdrücken, dass dieses Wort nicht eine doktrinäre Auslegung des Glauben- Kultur-Ver­hältnisses ist (oder sein sollte), sondern vielmehr ein bildhaftes und praxis­orientiertes Beispiel, ein Leitmotiv, nach dem die Kirche ihre konkrete Stel­lungsnahmen, Entscheidungen ausrichten kann, eine Matrix, in der sie sich im Bezug auf die Kulturen versteht und deutet. 4 Über die Inkulturation sind zahlreiche Publikationen erschienen. Hier möch­ten wir - mit einigen kommentierenden Worten - vier Werke angeben, die besonders wichtig sind: 1) Kraft, C., Christianity in Culture. A Study in Dyna­mic Biblical Theologizing in Cross-Cultural perspective, Maryknoll 1979. - Das Werk von Charles Kraft bietet eine sehr gute Zusammenfassung der Ausle­gung des Themas unter dem Aspekt der evangelischen Theologie und der Bibelwissenschaft. Er spricht nicht von Inkulturation, sondern von „dynamic equivalence". Dieser Terminus will zum Ausdruck bringen, dass eine wort­wörtliche Übersetzung der evangelischen Botschaft in die Kultur nicht im­mer möglich ist. Deswegen muss man das Herz der Botschaft identifizieren und dieses in die kulturellen Formen einpflanzen. 2) Schreiter, R. }., Con­structing Local Theologies, Maryknoll 1985. - Der Autor will in diesem Buch der Frage nachgehen, wie sich die Inkulturation auf die Natur der Theologie und die Interpretation der Tradition auswirkt, wo Themen im Mittelpunkt stehen wie z. B. die Identität des Glaubens und der Kirche, der Synkretis­mus, die dualistischen theologischen Systeme. 3) Luzbetak, L. ]., The Church and Cultures. New Perspectives in Missiological Anthropology, Maryknoll 1998.- Luzbetak hat bereits 1963 ein Buch mit dem Titel „The Church and Cultures“ publiziert. Dieser Band ist die erweiterte und aktualisierte Ausgabe davon. Der Autor nähert sich den Fragen des Glaube- Kultur-Verhältnisses von der praktischen Seite her. Hervorgehoben werden einige theologische Probleme, die Modelle der Inkulturation und der Kirche und die anthropologischen In­strumente der Missionstätigkeit der Kirche. 4) Shorter, A., Toiuard a Theology

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