Folia Theologica 19. (2008)

Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.

248 PUSKÁS, Attila und Bekehrung voraus. (4) Der Weg, der in der Taufe beginnt, und der vom Glauben zu einem immer vollständigeren Wissen/Gotteserkennt- nis führt, und damit auch der Prozess der Läuterung der Seele geht auch nach dem Tod weiter und endet mit der Schau von Gottes Ange­sicht. Das Feuer von 1 Kor 3,12-15 hat läuternde und erziehende Kraft. Die Sünder werden dann nach dem Tod Anteil am Feuer haben, doch dieses Feuer wird nicht die Gottesebenbildlichkeit berühren, sondern nur das „Stroh", die Sünde. Da im irdischen Leben niemand bis zu diesem Grad von Lebensheiligung kommt, der das Sehen Gottes mög­lich machen würde, haben alle eine Läuterung nach dem Tod nötig. Das jenseitige Feuer ist eine „vernünftige" (phronimon) Flamme, es reinigt die Seele von den Neigungen und Leidenschaften des Sünders und führt mit Sicherheit zur ewigen Schau Gottes. (5) Dieses Feuer ist das Feuer des Gerichtes Gottes, weil Gott dem Bösen widersteht und es verurteilt, und zwar so, dass es reinigende und heilende Wirkung auf die Seele ausübt. Clemens behauptet entschieden, dass das Motiv für die Strafe Gottes nie Rache ist, sondern ausschließlich die Besserung des Sünders25. Es ist eine offene und umstrittene Frage, ob es in diesem Gedankengang Platz für die Strafe einer ewigen Verfluchung gibt.26 (6) Und schließlich behauptet Clemens, dass in jeder Phase des Läute­rung und Wachstum von Gotteserkenntnis bedeutenden Prozesses ein ekklesiologischer Gesichtspunkt zu finden ist, nämlich das Denken aneinander: jenseits der Schwelle des Todes kann der „wahre Gnos­tiker", der zur Anschauung Gottes gelangt ist, sich auch um andere kümmern, die noch auf dem Weg der Läuterung sind und der Hilfe bedürfen. Der Tod bedeutet also weder vom Gesichtspunkt der Läute­rung, noch der communio sanctorum her eine absolute Grenze. 25 Vgl. Strom. VII, 26; Paid. I, 70,1-3. 26 Nach Brian Daley kennt Clemens nur Strafen mit reinigendem Charakter und somit bekennt er sich implizit dazu, dass alle zum universalen Heil gelangen (Apokathastasis). J. le Goff hingegen meint aus den Texten von Clemens auch herauszulesen, dass der alexandrinische Theologe von einer zweifachen Wirkung des Gottesgerichts-Feuers weiß: für die, die zur Besse­rung fähig sind, hat es in diesem wie auch im kommenden Leben erziehen­de Wirkung (didaskalos); für die, die zu einer Besserung nicht fähig sind, hat es einen strafenden Charakter (kolastikos). Vgl. Daley, B., Eschatologie, in HDG TV, 7, Freiburg 1986; Sztróm. I, 27; IV, 24; VII, 2; Le Goff, J., Die Geburt des Fegfeuers, Stuttgart 1984, 74-76; Sztróm. TV, 24; VII, 6; V, 14.

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