Folia Theologica 19. (2008)

Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.

246 PUSKÁS, Attila Bindeglied zu den großen Weltreligionen hin sein, in denen die For­derung nach der göttlichen Verwirklichung der Gerechtigkeit eine Lehre von entscheidender Bedeutung ist. Gleichzeitig ist das Gnaden­moment der Läuterung nach dem Tod eine Botschaft, die ursprünglich und ganz eigen zur Frohen Botschaft Christi gehört: die volle und end­gültige Läuterung ist nicht eigene Leistung des Menschen, der diese immer nur zweifelhaft, unsicher und vielleicht nie fertig bringen kann, sondern ist ein Ereignis der persönlichen Begegnung mit Christus als dem Richter und Erlöser, in der der Mensch der unübertreffbaren göttüchen Liebe und Gerechtigkeit begegnet und ganz rein und heilig wird. 4. Die Frage der biblischen Begründung der Reinigung nach dem Tod: die Interpretation von 1 Kor 3,10-15 Wenn die patristische und scholastische Theologie von der Reini­gung nach dem Tod sprach, berief sie sich auf folgende Bibelstellen: 2 Makk 12,40-45, Mt 5,26; 12,32; 18,34; Lk 12,59; 3,16 und 1 Kor 3,10-15. Wie wir gesehen haben, zitieren das II. Vatikanische Konzil und die da­rauf folgenden lehramtlichen Äußerungen vor allem die Lehre aus dem Zweiten Makkabäerbuch, wo eindeutig von einer Reinigung nach dem Tod gesprochen ist. Der Erste Korintherbrief verdient deshalb besondere Beachtung, weil sowohl in der griechischen als auch in der lateinischen Theologie oft darauf Bezug genommen worden ist, auch einige frühe Lehramtsaussagen verweisen darauf, und schließlich geht der Ausdruck „Fegefeuer" zurück auf diese Bibelstelle. Papst Benedikt XVI. entfaltet, indem er sich in seiner Enzyklika Spe salvi teilweise wieder auf den Text des hl. Paulus stützt, die christolo- gische Bedeutung der katholischen Lehre der Läuterung nach dem Tod (Nr. 46-47). Im Folgenden zeigen wir, wie Joseph Ratzinger bzw. Papst Benedikt XVI. den vorliegenden Schrifttext liest und deutet. Dabei un­ternehmen wir auch den Versuch, die Argumentation des Papstes mit einigen solchen Gedanken zu ergänzen, die auch vorherige alttesta- mentliche Aussagen über das läuternde Gericht berücksichtigen und so die Behauptung der Offenheit des paulinischen Textes auf die kirch­liche Lehre über das Purgatorium hin bestärken. Zuvor aber stellen wir je zwei Beispiele aus der griechischen und lateinischen patristischen Tradition für die Deutung der Stelle 1 Kor 3,10-15 vor.

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