Folia Theologica 19. (2008)
Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.
238 PUSKÁS, Attila kleinere Unterschiede: lässliche Sünden, Sündenstrafe, ungeordnete Anhänglichkeit an die Geschöpfe, Abschluss der Buße, die auf Erden noch nicht abgeleistet wurde. Auch die Terminologie ist nicht ganz einheitlich: Reinigung, Purgatorium, läuternde Strafen, zeitliche Strafen, das Erleiden von Sündenstrafen. „Vorübergehendes Feuer" bzw. der Ausdruck „Fegefeuer" kommt nur im Brief von Innozenz IV. (DH 838) vor, sowie bei Clemens VI (DH 1067) und im Credo des Papstes Paulus VI. (a 21). Die Unterschiede in den inhaltlichen Details und die terminologischen Abweichungen machen offensichtlich, dass das Lehramt nicht unbedingt an einem bestimmten theologischen Denkmodell und an einer Formulierung festhält, sondern offen ist für die bessere und vollkommenere Deutung. Es kommt auch vor, dass ein kirchliches Dokument parallel verschiedene Modelle verwendet. So zum Beispiel benennen die Abschnitte im Katechismus der Katholischen Kirche, wo er über das Purgatorium spricht, den Gegenstand der Reinigung in der ungeordneten Anhänglichkeit an die Geschöpfe, während er in dem Teil, wo vom Ablass die Rede ist, im Modell der Strafe und deren Nachlass denkt. Ähnliches kann man in der apostolischen Konstitution Indulgentiarum doctrina von Paul VI. beobachten. (3) Einheitlich sind die lehramtlichen Dokumente in der Lehre, dass die pilgernde Kirche den Leidenden nach dem Tod Hilfe leisten kann: mit Fürbittgebet, Almosen, den Werken der Barmherzigkeit, vor allem mit dem Aufopfem der Heiligen Messe, und schließlich mit Ablässen. Die Aussagen gehen nicht ins Detail, wie diese Hilfe genau wirkt, sie sprechen nur davon, dass sie die Schmerzen der Reinigung lindert bzw. den teilweisen oder vollständigen Nachlass der Strafen zur Folge hat. 2.1 Die scholastische Deutung der Läuterung nach dem Tod Wie wir oben sehen konnten, sind die lehramtlichen Aussagen über die wesentlichen Elemente der Lehre vom Purgatorium äußerst knapp. Das Konzil von Trient warnt ausdrücklich davor, dass die Hirten der Kirche danach streben, alle möglichen neugierigen Fragen zu beantworten. Diese Warnung gilt auch für die Theologie, die sich ihrer Grenzen ebenfalls bewusst sein muss und daran denken muss, dass das grundlegende Ziel der Offenbarung die Vermittlung davon ist, was zur Erreichung unseres Heils notwendig ist. Die lehramtlichen Dokumente haben dieses Prinzip vor Augen, wenn sie die Lehre vom