Folia Theologica 19. (2008)

Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.

DIE LÄUTERUNG NACH DEM TOD 235 Text sagt zwar eindeutig aus, dass die Möglichkeit der Läuterung nach dem Tod bis zum Kommen Christi in Herrlichkeit dauert, verwendet aber trotzdem nicht den Ausdruck „zeitlich" (temporalis), wahrschein­lich deshalb nicht, weil er für den Zustand/das Ereignis der Läuterung nach dem Tod das Wort „temporalis", das eine zeitliche Kategorie des irdischen Seins ausdrückt, nicht für angemessen hält. Das Konzilsdo­kument zitiert im Zusammenhang mit der Tatsache der Läuterung nach dem Tod und der Gebetspraxis für die Verstorbenen die Aussage von 2 Makk 12,46 als Schriftverweis. Die Konzilslehre knüpft an den Gedanken an, der schon in früheren Äußerungen des Lehramtes for­muliert worden war, wonach für die nach dem Tod zu Läuternden die Liebe bzw. die Gottesliebe das Kennzeichnende ist. Sie ergänzt diesen Gedanken allerdings mit einigen inhaltlichen Elementen. Einerseits spricht das Konzil nicht nur von der Gottesliebe, sondern auch von der Nächstenliebe. Andererseits betrachtet es diese Gottes- und Nächsten­liebe, die in den zu Läuternden da ist, als etwas, was sie mit den Glie­dern der pilgernden und der verherrlichten Kirche verbindet; es ist dieselbe Liebe, die sich im Blick auf das Wesentliche in uns allen, wenn auch in verschiedenem Grad und verschiedener Weise verwirklicht. Das Konzil sagt schließlich aus, dass die, die im Zustand der Läute­rung sind, auch den Geist Christi besitzen wie die Glieder der verherr­lichten und der pügemden Kirche auch. In ihnen ist derselbe Geist Christi, der sie untereinander in Christus verbindet. Christus vereint also mit derselben Liebe und demselben Heiligen Geist alle Glieder Seines mystischen Leibes. Es ist klar, dass durch das Wirken Christi im selben Heiligen Geist in ihnen die gleiche Gottes- und Nächstenliebe sein kann wie in den Gliedern der pilgernden und der verherrlichten Kirche. Der Brief der Glaubenskongregation von 1979 über die eschatologis- chen Fragen („Recentiones episcoporum synodi", 17.Mai 1979) spricht kurz von der Läuterung nach dem Tod. Er sagt, dass es gemäß dem Glauben der Kirche eine Läuterung gibt, die der Schau Gottes voraus­geht und diese vorbereitet, die sich aber ganz von der Strafe der Ver­dammten unterscheidet (DH 4657). Der Katechismus der Katholischen Kirche (1997) nennt die Läuterung der Auserwählten nach dem Tod „abschließende Läuterung" und „purgatorium", verweist aber darauf, dass es in der Tradition auch die Bezeichnung „Fegefeuer" gab auf­grund von bestimmten Texten aus der Hl. Schrift. Er fasst die Lehre der Kirche so zusammen: „Wer in der Gnade und Freundschaft Gottes

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