Folia Theologica 18. (2007)

Imre Koncsik: Synergetische Hermeneutik - Grundlagen und Perspektiven

SYNERGETISCHE HERMENEUTIK 97 ein untrügliches Zeichen mentalen Schöpfertums ist). An diesem Punkt wird der Akzent von der synergetischen Kooperativität von Elementen, Zuständen und Ablaufmustern zugunsten eines forma­lisierten holistischen Denkens verschoben: die "Form" / Informa­tion wird vor die Materie gesetzt und somit dem o.g. Extrem der prävalenten Formalisierung gefrönt. Hier empfiehlt es sich, sine ira et studio in wissenschaftlicher Redlichkeit schlicht die Voraussetzungen synergetischer Kopulatio­nen durch interaktive Kumulation von Elementen und Ereignissen etwa mit Rössler zu benennen39: a) Rahmenbedingungen ("laws", frame conditions), welche die erlaubten Interaktionskräfte und -modi festlegen, b) Initialkonditionen (initial conditions), welche den faktisch gewählten Anfangszustand oder die momentane Pha­se des Systems definieren, und - worauf es beim indeterministi­schen synergetischen Modell ankommt - c) die Zuteilungsbedin­gungen (assign conditions), welche den „privaten" raumzeitlichen Schnitt durch den Phasenraum definieren, also die spezifisch reali­sierbare materielle Morphogenese durch Synergetik der Elemente, Prinzipien, Kräfte, Potentiale und Interaktionsgewichtungen be­stimmen40. 39 Zusammenfassung enthalten bei: RÖSSLER, O., Eine vom Universum unab­hängige Realität, in: KONCSIK, I.; WILHELMS, G. (Hgg.), Jenseits, Evolu­tion, Geist. Schnittstellen zwischen Theologie und Naturwissenschaften, Frankfurt a.M. 2003, 257-274, 268 40 Rössler führt aus (ebd..268f): „Die Gesetze sind der Block, in dem sich alle möglichen Trajektorien befinden, und die Anfangsbedingung sagt uns, wel­che von all den möglichen Trajektorien in dem Block die einzige ist, die tat­sächlich vorkommt. Wenn man sie an einer Stelle des Fadens gewählt hat, liegt er fest, der Trajektorienfaden, vorwärts und rückwärts, für alle Zeit. Das ist das berühmte Newtonsche und Cartesische mechanistische Denken. Aber es fehlt etwas, es fehlt der Schnitt... Es gibt also nicht nur einen Faden in dem Block, sondern auch einen Schnitt durch den Faden und den Block. Das Jetzt ist so ein Schnitt.... Das ganze Universum wird zerschnitten - durch die Tren­nung zwischen Beobachter und Rest. Zu einem bestimmten Zeitpunkt und zu jedem Zeitpunkt.“ Die hier angeschnittene Problematik der Trennung zwi­schen Beobachter und Rest des Universums soll mangels ausreichendem Platz nicht näher skizziert werden.

Next

/
Oldalképek
Tartalom