Folia Theologica 18. (2007)

Imre Koncsik: Synergetische Hermeneutik - Grundlagen und Perspektiven

SYNERGETISCHE HERMENEUTIK 95 Prinzip zu einem „Konkretum". Physikalischer Forschung ist das materiale Prinzip der Kräfte als Träger von Korrelationen zugäng­lich; das formierende Prinzip wird eher als Chaos, Zufall, Indeter­miniertheit, Rauschen, Komplexität und Bifurkation „hingenom­men" oder durch Differenzengleichungen (im Unterschied zu Dif­ferentialgleichungen) statistisch modelliert. Parallele Quantenmechanik - Chaos So kann etwa die Quantenmechanik statistisch als Ausdruck einer internen Dynamik interpretiert werden, die zur Selbstüberschrei­tung zwecks Gestaltwerdung hingeneigt ist: auf der virtuellen, quan­tenmechanischen Ebene überlagern sich „Zustände" (gemäß mathe­matisch „nicht klassischer" Deskriptionsweisen), um sich nach ihrer energetischen und materialen „Überladung" zu konkretisieren und somit ihren Niederschlag in der klassischen Welt zu generieren. Die „Konkretion" als Manifestation des Teilchencharakters einer „Welle" bzw. Wahrscheinlichkeitsamplitude trägt deswegen das indetermini­stische Element in die physikalischen Kräftematrizen ein, weil die „Konkretion" einen Ausdruck synergetisch-schöpferischer Koaktion der „Quantenzustände" darstellt. Dieser synergetische Basisbefund wird entweder nüchtern in Analogie zur nichtlinearen Dynamik „chaotischer" Systeme „fernab vom Gleichgewicht" interpretiert33. Das legt eine Substitution der üblichen Darstellung quantenphysikalischer Befunde durch Forma­lismen aus der Theorie nichtlinearer Systeme nahe. „Statt in Trajek- torien oder Wellenfunktionen zu denken, denken wir in Wahr­scheinlichkeiten und Eigenschaften von Entwicklungsoperatoren. Die letzteren erlauben uns, die Dynamik mit der Thermodynamik zu vereinigen."34 Das Neue dieser Vereinigung, die m.E. wesentli­che Voraussetzung der Vereinigung der Grundkräfte des Univer­sums zu sein scheint, liegt in der Einbeziehung der „Irreversibilität" als „wesentliches Element"35 in die mathematischen Formalismen. 33 So bei PRIGOGINE, I., Die Gesetze des Chaos, Frankfurt a.M. 1995, bes. 63-82 34 PRIGOGINE (Anm. ), 83 35 PRIGOGINE (Anm. ), 83. Deutlicher: „Ob es um die klassische Mechanik oder die Quantenmechanik geht, ... immer stößt man beim Übergang zur Ebe­ne der statistischen Ensembles auf dieselben Schwierigkeiten. Diese Allgemeingültigkeit beruht auf der Tatsache, dass der mit den Poincaréschen

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