Folia Theologica 18. (2007)
Ferenc Beran: Die Aktualität der Soziallehre der Kirche - Die Fundamentalwerte des gesellschaftlichen Lebens
DIE AKTUALITÄT DER SOZIALLEHRE DER KIRCHE 51 Die Aufgabe des Seelsorgers Papst Johannes Paulus II. sprach oft darüber, dass unsere Gesellschaft durch die Sünde der Welt „geteilt" ist.26 In dieser Situation ist die Aufgabe der Priester nicht einfach. Sie müssen sich mit der Liebe Jesus an die Welt wenden, und für jedem einzelnen Menschen Hilfe leisten. Für alle Menschen, weil Jesus niemanden von seiner Liebe ausschloss. Er liebte mit gutem Willen die Sünder, die Fremden, und auch seine Feinde. Diese Liebe bedeutet keine Annahme der persönlichen oder der sozialen Sünden, sondern verwirklicht solche Taten, in denen das Mitgefühl, das Wohlwollen und die Opferwilligkeit zum Ausdruck kommen. Papst Benedikt XVI. trägt mit seiner Enzyklika Deus caritas est eine sehr wichtige Rolle zu dem Thema der sozialen Liebe bei. In diesem Dokument beschäftigt er sich mit den Aufgaben der Kirche und des Staates. Er betont, dass der Aufbau der gerechten Strukturen in erster Linie die Aufgabe der politischen Ordnung ist, aber die Kirche gebe Hilfe zur Lösung dieser Aufgaben. „Die Kirche hat dabei eine mittelbare Aufgabe insofern, als ihr zukommt, zur Reinigung der Vernunft und zur Weckung der sittlichen Kräfte beizutragen, ohne die rechten Strukturen weder aufgebaut werden noch auf Dauer wirksam sein können."27 „Die Reinigung der Vernunft" gibt eine übernatürliche Perspektive, ein letztes Ziel für den Menschen, 28 und die „Weckung der sittlichen Kräfte" bedeutet, dass der Mensch die entgegenkommende Liebe Gottes annimmt, und auf diese Liebe durch die Nächstenliebe antwortet. In diesen Taten realisiert sich die Liebe nicht nur in der materiellen oder physischen Hilfe, sondern in „der Zuwendung des Herzens", weil der Glaube in der Liebe wirksam ist.29 In der Bibel symbolisiert das Herz den ganzen Menschen 30. 26 PAPST JOHANNES PAUL II, Sollicitudo rei socialis. Nr. 36. 27 PAPST BENEDIKT XVI, Deus caritas est, Nr. 29 28 PAPST JOHANNES PAUL II, Fides et ratio, Nr. 20 29 PAPST BENEDIKT XVI, Deus caritas est, Nr. 31 30 Vgl. H. W. WOLF, Anthropologie des Alten Testaments, Leipzig, 1977. S. 60.