Folia Theologica 18. (2007)

Ferenc Beran: Die Aktualität der Soziallehre der Kirche - Die Fundamentalwerte des gesellschaftlichen Lebens

DIE AKTUALITÄT DER SOZIALLEHRE DER KIRCHE 49 der Verwirklichung der Gerechtigkeit realisieren. Vom Gesichts­punkt der Kirche spielt die „soziale Gerechtigkeit" unter den Ge­rechtigkeiten eine besondere Rolle. Nämlich in dieser sozialen Tu­gend kommt in ausgezeichneter Weise „die Option für die Armen" zum Ausdruck. Im Allgemeinen können wir sagen, dass diese Tu­gend jene umfassende Gerechtigkeit ist, „die aus der Grundnorm gemeinwohlartige Wohlordnung folgt"18 Im Sinne der vorrangigen Option für die Armen bedeutet es, „dass die Zuordnung von Ein­kommen, Vermögen und Macht in der Gesellschaft nach ihren Aus­wirkungen auf Personen, deren materielle Grundbedürfnisse nicht befriedigt werden, zu bewerten ist"19 4. Der Wert der sozialen Liebe Unter den sozialen Grundwerten ist der wichtigste die soziale Liebe. „Die Werte der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Freiheit entspringen und entwickeln sich aus der inneren Quelle der Lie­be."20 Wir wissen auch gut, dass nach der Lehre Jesu das Hauptge­bot die Gottesliebe und die Nächstenliebe ist. Der Katechismus schreibt über die Liebe: „Die Liebe ist «das Band der Vollkommen­heit» (Kol 3,14) und die Grundlage der anderen Tugenden, die sie beseelt, anregt und ordnet: Ohne sie »wäre ich nichts« und »nützte mir nichts«(l Kor 1-3)"21 Jetzt möchten wir über ein Thema disku­tieren, welches vom sozialen und seelsorgerischen Gesichtspunkt wichtig ist. Die Frage: Was für ein Zusammenhang besteht zwischen sozia­ler Liebe und der Gerechtigkeit? Manchmal kann man diese oberflächliche Meinung hören, dass der Unterschied zwischen ihnen groß ist, weil die Gerechtigkeit sehr streng und die Liebe nachgiebig ist. Sie denken nicht daran, dass die Tugenden nicht mit einander im Gegensatz stehen kön­nen. Andere sagen, dass die Gerechtigkeit durch Liebe ergänzt wird. Auf diese Meinung können wir Folgendes antworten: „Die 18 A. ANZENBACHER, Christliche Sozialethik, UTB für Wissenschaft, Schö­ning Verlag, Paderborn, 1998. 221. 19 Kompendium der Soziallehre der Kirche, Nr. 223 20 AaO., Nr. 204 21 Katekizmus der Katholischen Kirche Kompendium, Nr. 388.

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