Folia Theologica 18. (2007)

Ferenc Beran: Die Aktualität der Soziallehre der Kirche - Die Fundamentalwerte des gesellschaftlichen Lebens

44 F. BERAN- Die Verpflichtungen, welche von der Berufung stammen, sind wichtiger als die Aufgaben, die man mit dem freien Willen übernimmt. Wir möchten bemerken, dass man mit Hilfe des Naturgesetzes, oder mit anderen Wörtern durch den menschlichen Verstand nicht nur ethische Werte, sondern ethische Prinzipien bestimmen kann. Ein solches ethisches Prinzip ist zum Beispiel die Subsidiarität, welche zum ersten Mal in einer Sozialenzyklika erscheint. Es ist nämlich vernünftig in der Gesellschaft, dass eine größere Einheit für die kleinere eine Hilfe bedeutet. Aber die Art und Weise der Hilfe muss vernünftig sein. Der Rationalität nach sollte die größere Einheit die Hilfe für die kleinere so sein, dass die Identität der klei­neren nicht verletzt wird, und sie ihre Probleme mit eigener Kraft sobald wie möglich lösen kann. Einige Beispiele zur Subsidiarität:- Nach dem Buch Exodus gab Jitros einen Rat an Mose: „Alle wichtigen Fälle sollen sie vor dich bringen, die leichteren sol­len sie selber entscheiden. Entlaste dich, und lass auch andere Verantwortung tragen!"(Ex 18, 22)- In der Enzyklika Qudragesimo anno betonte Papst Pius der XI., dass die Korporationen ihre Probleme mit ihren eigenen Kräften lösen sollten, und der Staat von Mussolini sollte in sol­cher Weise Hilfe leisten, dass das Leben der Korporationen un­abhängig bleibe.- Ich denke dass das Prinzip der Subsidiarität auch auf das Le­ben der Kirche gültig ist. Es ist nicht gut, wenn sich der Pfarrer mit solchen Problemen an den Bischof wendet, die auch mit seiner eigenen Kraft gelöst werden können. Aber das Prinzip der Subsidiarität gilt wegen der offenbarten Wahrheiten und der Hierarchie nur beschränkt in der Kirche. So, zum Beispiel im Falle der Lehre über den Gauben und die Moral ist die Aufgabe der kirchlichen Vorsteher nicht nur, der Meinung des örtlichen Gemeinden zuzuhören, sondern auch Anweisungen zu geben durch ihre von Gott erhaltene Macht.6 Daneben können wir 6 Vgl. P. ERDŐ, Az egyházjog teológiája, Szent István Társulat, Budapest, 1995.

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