Folia Theologica 18. (2007)
István Ancsin: Die Hoffnung Aaf das Heil bei Hans Urs von Balthasar
34 I. ANCSIN Weltsünde beladen wurde und daß er am Karsamstag die tiefste Hölle unterwandert hat, daß eher der Eindruck entstehen könnte, seine Theologie laufe direkt auf eine Allversöhnungslehre hinaus"72. Bei der Behandlung der stellvertretenden Sühne Christi rechnet Balthasar selbst mit dem anthropologischen Einwand, daß die christologische Stellvertretung „einen Eingriff in die ,Privatsphäre' der Mitmenschen" besagt: ,,[I]m stellvertretenden Tragen ihrer Schuld vor Gott wird etwas in ihnen - und ohne ihr Wissen - verändert, was anscheinend nur sie selbst in ihrem freien Entscheid Gott gegenüber zu ändern befugt wären"73. Diesbezüglich stellen sich nach Balthasar zwei Fragen. Erstens, ob der Mensch von sich überhaupt fähig ist, die nötige „Veränderung vorzunehmen" oder ob er in seiner Lage „als Sünder vor Gott so gebunden" ist, daß er das, was er tun müßte, nicht selber tun kann; zweitens: Wer kann seine Fessel lösen, „wenn nicht Gott allein" - und zwar mit einer teilgebenden Vergebung, die „zugleich ein Gericht über die Sünde"74 ist, ein Gericht, das vom menschgewordenen Gott stellvertretend übernommen wird. Wir können hier nochmals die Frage stellen, ob der Abstieg des Sohnes am Karsamstag ins Reich der Toten (als Solidarität Gottes mit dem Geschöpf und als eine universale Heilsverkündigung für alle Menschen aller Zeiten) nicht mit Recht als ein endgültiger Ausdruckswille Gottes zur Apokatastasis verstanden werden könnte. 72 SCHWAGER, R.: Der Sohn Gottes und die Weltsünde. Zur Erlösungslehre von Hans Urs von Balthasar. In: Zeitschrift für katholische Theologie (108), 1986, 27-28. Ähnlich zentralen Stellenwert schreibt Balthasars Karsamstags- theologie Jan-Heiner Tück, der aber etwas vorsichtiger formuliert, als er in dieser Zusammenhang nicht über Apokatastasis, sondern über eine universalen Hoffnung spricht: „... so gründet für den Theologen Hans Urs von Balthasar die Hoffnung für alle doch allein im äußersten Selbsteinsatz Christi, der am Karsamstag die Situation von Tod und ,Hölle’ auf sich genommen hat, um den , Verdammten’ rettend nahe zu sein“. TÜCK, J.-H.: Impulse und Impressionen. Höllenabstieg Christi und Hofnung für alle. Hans Urs von Balthasars eschatologischer Vorstoß, In: Theologie der Gegenwart 49 (1/2006), 65. 73 BALTHASAR, H. U. von: Theodramatik. Bd. II/1. Die Personen des Spiels, Der Mensch in Gott, Einsiedeln, 1976, 374. (Im weiteren: TD II/1 ). Balthasar stellt fest, daß die Zahl von Theologen wächst, die eine Stellvertretung von vornherein für unmöglich halten, „weil schließlich jeder nur aus dem Zentrum seiner eigenen Freiheit heraus zu Gott Ja sagen kann“. BALTHASAR, H. U. von: Crucifixus etiam pro nobis, 29. In: IKaZ „Communio“ 9 (1980). 74 TD II/1, 374.