Folia Theologica 18. (2007)
Csaba Török: Der Geist Gottes in der Welt der Kulturen. Pneumatologische Akzente im Glaube-Kultur-Verhältnis
DER GEIST GOTTES IN DER WELT DER KULTUREN 327 Die Welt und die Geschichte sind von Gott „durchherrscht"71 und diese Wahrheit ändert unser Verhalten gegenüber den Kulturen. „Ein größerer Respekt macht unsere Liebe wahrer und tiefer; er lässt die «Strahlen göttlichen Lichtes» und die «Samenkörner des Wortes» entdecken, die in nichtchristlichen Religionen [mit Recht können wir zufügen: und Kulturen] vorhanden sind..."72 73 Diese liebevolle Suche im Dialog gehört zum Herzen unseres Glaubens und soll ein großes Anliegen für uns sein, weil - mit den Worten eines Gebetes von J. H. Newman - in der Wirklichkeit der Welt „die Sache Christi liegt, wie im Todeskampf'72. Die Kirche wird so fähig sein, einen echten Dialog zu verwirklichen, indem sie sich nicht mehr ausschließlich als Sprechende, Inspirierende, Gebende versteht, sondern auch als von der Kultur und den Kulturen Angesprochene, Inspirierte und Beschenkte. Mit einer solchen Vision wird man die Gefahren von den drei oben zitierten Optionen bezüglich des Dialogs vermeiden: 1. Durch den Dialog kann die Kirche der Kultur einen Anstoß zur Bekehrung geben, aber nur so, dass sie gleichzeitig bereit ist, sich selbst bekehren zu lassen. 2. Der Dialog kann als praeparatio evangelica betrachtet werden, aber nur so, dass man gleichzeitig sich bewusst macht: Gott wirkt in der Welt, er ist gegenwärtig. Also muss die Vorbereitung zur Evangelisierung von der Suche nach den „Samen des Gotteswortes" begleitet sein. So wird nicht nur die Kultur, sondern auch die Kirche auf die Ankündigung des Evangeliums vorbereitet sein. 3. Der Dialog kann nie zum Selbstzweck werden - ich dialogisiere nicht, weil es mir wohl tut. Im Akt des Sprechens, gerade 71 „... er [Gott] ist nich mehr bloß «über» der Geschichte, er ist selbst «in» ihr indem er auch ständig «vor» ihr ist als freie, unverfügbare Zukunft. (...) Er herrscht nicht bloß über die Geschichte, indem er in ihr auftritt (neben anderen geschichtlichen Erscheinungen) und in ihr ein universales Reich aufrichtet (neben anderen «Reichen»), sondern er durchherrscht sie innerlich, indem er ihr allererst geschichtlich Grund gibt (vgl. Kol 1,17).“ - METZ, J. B., Zur Theologie der Welt, Mainz — München 1968, 19; vgl.: ID., Gott vor uns, in Ernst Bloch zu ehren (Hrsg, von Unseld, S.), Frankfurt 1965, 227-241. 72 DHAVAMONY, M., Mission in der nachkolonialen Ara: neue Sicht auf neue Aufgaben, in IKaZ 3 (1974) 203-214, 211. 73 BISER, E., Die kulturstiftende Kraft des Glaubens. Zur Geschichte eines dramatischen Verhältnisses, in ThPQ 140 (1992) 255-266, 260.