Folia Theologica 18. (2007)
István Ancsin: Die Hoffnung Aaf das Heil bei Hans Urs von Balthasar
26 I. ANCSIN ben für die Menschheit nur die "beiden Ausgänge von Himmel und Hölle"37. Wie Teilhard die zwei Fäden in der Gestalt Christi zusammenführt, zeigt, daß die Dimension des "Nach-Vorn" in seinem System von der vertikalen untrennbar theologische Relevanz erhält. Balthasar kritisiert jedoch die Einseitigkeit dieses Entwurfes, weil Teilhards überwiegend christologischer Akzent die trinitari- sche Gestalt des Erlösungswerkes nicht genügend hervortreten läßt. Eben deshalb bleibt bei Teilhard das Dualismus-Schema Himmel-Hölle prägend, das aber mit sich bringt, daß hier für keinen Descensus Platz übrigbleibt. Wegen des überbetonten inkarnatori- schen Akzentes kann das Kreuzesgeschehen aus dem Hintergrund nicht heraustreten, und aus demselben Grund wird die volle Realität der Sünde (trotz der Betonung der Freiheit) nicht ans Licht gebracht. Balthasar fügt noch hinzu, daß das „Pathos des Werdens so sehr das des Seins übertönt, daß in den Synthesen die Differenzen [...] unterzugehen drohen"38. ß) Der Versuch Jürgen Moltmanns Wesentliches Merkmal der lateinamerikanischen Befreiungstheologien ist es, um die Motivation ihres Engagements zu erläutern, direkt auf die Verheißungen und Weisungen der alttestament- lichen Propheten zurückzugreifen. Moltmann schließt sich der Sicht an, derzufolge die alttestamentliche Prophetie eine endgültige Befriedung der Schöpfung verheißt, die in Jesu Menschwerdung und Auferstehung noch nicht erfüllt ist. Mit dieser Position hängen zwei Aspekte zusammen. Erstens: Da die Geschichte Jesu mit seiner Auferstehung noch nicht vollendet ist, bleibt die (alttestamentliche) „Hoffnung nach vorn" inkraft. Zweitens: Indem der trinitarische Gott in Jesu Kreuz und Auferstehung sich selbst in der Geschichte engagiert hat, vollendet er, sofern er mit dieser Welt zusammen Geschichte hat, sich selbst nur mit dieser zusammen.39 Dieser zweite Aspekt gerät in die Nähe einer Prozeßtheologie, die aber im vorliegenden Aufsatz nicht erörtert werden soll. Balthasar kritisiert an Moltmann, daß ihm die „präsentische Eschatologie" der eigentliche Gegner ist (damit ist zu erklären, daß 37 TD IV, 144. 38 TD IV, 147. 39 Vgl. TD IV, 148.