Folia Theologica 18. (2007)
Imre Koncsik: Synergetische Hermeneutik - Grundlagen und Perspektiven
110 I. KONCSIK rückt" im Modus einer analogen Perichorese. Der Geist als formaler und materialer Attraktor übernimmt die "Chaos Kontrolle" neuronaler Erregungsmuster am "quantenphysikalischen Sublimit", um dadurch die neuronalen Entladungen holistisch zu disponieren. Der Geist wird durch Intentionalität, Selektivität, Selbstrekursivi- tät, Selbstdurchdringung, Einheit in Verschiedenheit und Individualität bestimmt54, womit verifizierbare mentale Effekte impliziert werden als Folge der analogen Korrelation des Mentalen und Physischen. Metaphysisch kann der Aktionsmodus neuronaler Netze weiter interpretiert werden: wieso „lebt" das Hirn, nur weil Neuronen „feuern"? - Durch „Wirkung" (=Feuern von Neuronen) erfolgt „Sein" (=Wesensvollzug der Neuronen) und umgekehrt. Das ideelle Sein der elektrochemischen Konsensualisierung von neuronalen Mustern besagt ein formales Heraustreten der ansonsten nur verborgen gegebenen Idealität, doch nicht nur als „reine" Idealität, sondern als selbstbezügliche Idealität, als ob der stets effizient existente metaphysische Wirkungsbereich „zu sich selbst" gekommen wäre55. Sie konstituiert wiederum eine „mentale" Subsistenz durch Selbstinteraktion. Die „Geschlossenheit" und Konsistenz neuronaler Aktivitätsmuster ist direktes Korrelat der relationalen Subsistenz des Mentalen; die koordinierte Sequentialität von Ablaufmustern wiederum korreliert mit der Relationalität des Mentalen, das differente „Imprägnierungsprozesse"56 kohärent zuordnen und „erleben" kann. Zur näheren Bestimmung der Korrelation wurde vorgeschlagen, das „Interface" zwischen Geist und Gehirn als fraktale Hyperfläche zu bestimmen57, kraft welcher formal durch eine Eigenschaft der Gravitation vermittelt mentale Informationen holographisch 54 Nach EDELMAN (Anm. ), 225 55 Durch das „Um-und Unterfassen“ des Physischen „um- und unterfasst“ sich das Metaphysische selbst ausgerechnet bezogen auf das menschliche Gehirn, um abhängig vom neuronalen Korrelat sich selbst zu „prozessieren“. 56 Der treffende Ausdruck stammt vom Pionier der interdisziplinären Bestimmung der mental-neuronalen Relation: LENK, H., Kleine Philosophie des Gehirns, Darmstadt 2001 57 Vgl. ROSSLER, O., Das Flammenschwert. Wie hermetisch ist die Schnittstelle des Mikrokonstruktivismus?, Bern 1996, bes. 125-137. Analog sollte das Interface beschaffen sein zwischen Diesseits und Jenseits oder auch nur zwischen sog. Endo- und Exorealität.