Folia Theologica 18. (2007)

Imre Koncsik: Synergetische Hermeneutik - Grundlagen und Perspektiven

SYNERGETISCHE HERMENEUTIK 107 „in" / „über" ihm wirkenden Konstituentien, insofern sie integraler Faktor im System sind, d.h. in seine autopoetische Selbstinteraktion als konstitutive Referenzgröße implementiert sind.48 Folgerung Synergetisch sind ontologisch differente „Bezugspole" und Erklä­rungskomponenten ebenso zu berücksichtigen wie die Dominanz der Einheit und Einigungspotenz des Seins als Systemeigenschaft und nicht als isolierbarer Punkt bzw. Ort auftritt. Ontologisch scheint „Substanz" mit der systemischen Subsistenz des Gesamtnetz­werks identifizierbar zu sein, so dass die Teile bzw. Elemente in sie eingehen und ihre Subsistenz relativ sowie ihre internen und exter­nen Relationen subsistent sind. Der ontologische „Ort" des Systems enthält auch den Einigungsgrund des Netzwerks, sofern die Integra­tionspotenz in „höhere" Seinsschichten eingebettet wird49. Die Kon­kretion eines „neuen" Gesamtereignisses resp. persistenten Ablauf­musters ist ontologisch äquivalent mit dem Hervortreten der je be­nachbarten Seinsebenen im Modus ihrer Auf- bzw. Abwärtsanalogi- sierung. Ein metaphysisches Exempel synergetischer Effizienz betrifft die personale und personierend sich fundierende Einheit des Men­schen mit sich selbst50. Sie wird möglich durch differente Bezugspole des Menschseins zwischen Vergangenheit und Gegenwart. In ih­nen wird das eigene Sein, das beides umgreift und sich in ihnen realisiert, „erinnert" und darin vergegenwärtigt.. Diese beiden Be­zugspole koagieren demnach synergetisch miteinander (repetitive und oszillierende Struktur der Koaktion), um darin (und nicht dar­48 Man beachte: die Implementierung impliziert differente Seinsebenen, die „vertikal“ und „horizontal“ in Relation zueinander stehen und sich durch rezi­proke Koppelung sowie durch vertikale und horizontale Selektion konsensua- lisieren. 49 Ganoczy etwa spricht in Anlehnung an die sog. Chaostheorie vom Attraktor, den er dirigierend, substantiell und somit durchaus metaphysisch loziert. Folglich sollte er formal und material wirksam sein! Vgl. GANOCZY, A., Chaos - Zufall - Schöpfungsglaube. Die Chaostheorie als Herausforderung der Theologie, Mainz 1995, bes. 170ff. 50 Zur Quellenlage siehe die gelungene Zusammenstellung von BRASSER, M. (Hg.), Person. Philosophische Texte von der Antike bis zur Gegenwart, Stutt­gart 1999

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