Folia Theologica 18. (2007)
Imre Koncsik: Synergetische Hermeneutik - Grundlagen und Perspektiven
SYNERGETISCHE HERMENEUTIK 103 kung, also das "Nicht-Zerreißen" der Einheit. Auch müsste sich jedes Element funktional transformieren können, um durch originäre Spezifikation neue Verbandsfunktionen übernehmen zu können. "Freie Radikale" sollten sich auch spontan, eigeninitiativ und ohne Selektionsdruck regruppieren, indem ihnen eine intrinsische Grenze mitgegeben wird, die immer wieder von innen her überschritten werden kann, um eine Neugruppierung zu veranlassen. Es sollten daher alle o.g. essentiellen synergetischen Prinzipien bei einer Systembeschreibung entlang der Gleichgewichtsfluktuation zwischen Autonomie und Heteronomie berücksichtigt werden. Als Verdeutlichung des synergetischen Paradigmas als Basis einer korrespondierenden Hermeneutik dient ein idealisiertes Szenario aus der Evolutionstheorie als ein synergetisches Derivat: auch aus einer reinen Monokultur eines Biosystems, etwa einer spezifischen Pflanzenart, würde auch ohne irgendeinen Selektionsdruck spontan - und „universell" (auf die Neuschaffung einer unableitbaren bzw. nur relativ ableitbaren Konsistenz) „finalisiert" - etwas Neues entstehen, und das als schlichte Folge des Dranges zur Genese von neuen Seinsmodi und -analogisierungen „nach oben" hin durch passive Freisetzung synergetischer „Aktpotenzen". Somit wird dafür Rechnung getragen, dass ausgerechnet Darwin als Applikant hegelscher dialektischer Logik seine „Evolutionshypothese" primär als „Ringen um Harmonie" verstanden wissen wollte und nicht als destruktives Ausmerzen von instabilen Morphologien. Warum sonst existieren heute nicht nur Kellerasseln, sondern auch höhere Säuger bis zum Menschen - und das trotz angeblich wirkender negativer Selektionsdrücke? Doch nur deswegen, weil sich neue Ablaufund Organisationsmuster spontan „auf einmal" und sprunghaft generieren, stabilisieren und sich dadurch auch „neben" den bestehenden Prozessen etablieren. Philosophische Korrespondenzen Metaphysische Erklärungslücke Eine nur metaphysisch zu bewältigende Erklärungslücke als metaphysischer „missing link" wurde mehrfach angedeutet: „Was die Welt im Innersten zusammen hält" bleibt bei exklusiv physischen Deutungen ausgeblendet. Gefordert sind hingegen - vielleicht auch