Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 95 fortsetzenden inkarnatorischen Prinzips göttlicher Heilswirkung. Insofern die hypostatische Union auch Maßstab aller Erkenntnis und allen Handelns ist und keinen anderen Maßstäben unterliegt, von woher sie beurteilt werden könnte, kann auch die katholische Kirche aufgrund ihres strikten Regresses auf das inlcarnatorische Prinzip nicht vollständig extern beurteilt werden: es wird - mit Bonhoeffer74 - ein aktiv mittuendes „Hineinstellen" in sie zwecks restloser Begreifbarmachung ihrer Wahrheit verlangt. Ähnlich wie der Sinn von Sein in seiner Wahrheit nur ergriffen werden kann durch das aktive „sein tun" (also durch das „sich hinein stellen"), so kann auch die Wahrheit der ekklesialen gottmenschlichen Union nur begriffen werden durch die sich selbst ausweisende Union, welche wiederum ihr aktives Mitvollziehen und schöpferisch inter­prétatives Gestalten erreicht werden kann. Der Autoevidenz des Seins ist die Autoevidenz seines ekklesialen gottmenschlichen Voll­zugs korreliert. Extern kann jedoch auf Grundlage der rational einsehbaren Analogie des Seins argumentiert werden75, insofern unter ontologi­scher Prämisse der Letztmaßstab aller Erkenntnis und zugleich das intuitiv Ersterkannte das analogisierte Sein selbst ist und diese Ana­logie nicht verlassen werden kann76, woraus sich übrigens sowohl die Berechtigung subjektivitätstheoretischer Erkenntnislehren als auch objektivistischer gnoseologischer Modelle partiell ableiten lässt. Wird der Zielgrund der Analogie - also der „Logos" - erkannt, was wiederum nur analog geschehen kann, dann erfüllt und be­gründet sich die Analogie des Seins selbst und offenbart somit ih­ren letzten Ursprung. Doch ist diese Offenbarung wiederum nur im anselmschen Modus der permanenten Selbstüberschreitung als „quo nihil maius cogitari possit" denk- und seinsmöglich77. Erst in 74 Siehe Anm. 75 Zum folgenden siehe exakter: KONCSIK, I., Was ist das Spezifische des christlichen Glaubens? Ein ontologischer Klärungsversuch, in: Salzburger Jahrbuch für Philosophie 44/45 (1999/2000) 21-53 76 Siehe SIEWERTH, G., Hinführung zur exemplarischen Lehre. Aufsätze und Beispiele von Gustav Siewerth, Freiburg i. Br. 1965, 26 77 Dabei bezieht sich Anselm auf die unüberschreitbare Analogie zwischen dem begrifflichen Erkennen und dem gedachten Sein als prinzipielle Grenze und Beschränkung der Wahrheitserkenntnis und zugleich letztgültige Ermächti-

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