Folia Theologica 17. (2006)
István Pákozdi: Zur Theologie des Ablasses
162 I. PAKOZDI Die Indulgenz, der Ablass „ist das Versprechen der Kirche, bei Gott besondere Fürsprache einzulegen für den Erlass von zeitlichen Strafen für solche Sünden, die im Sakrament der Beichte schon bekannt und vergeben worden sind. Die Folgen der Sünde werden durch die Umkehr jedoch nicht einfach aufgehoben. Die Kirche unterstützt mit ihrem Gebet den einzelnen Menschen in seinem Bemühen, eben diese Folgen seiner Schuld zu tilgen. Und weil ein solches Gebet immer in Einklang mit Gottes Willen steht, wird es auch immer erhört... Die Kirche hat die Vollmacht, Ablässe zu gewähren",2- wie im Kleinen theologischen Wörterbuch von Rahner-Vorgrim- ler zu lesen ist. - In der Religionsstunde lässt sich dies gut am Beispiel des eingeworfenen Fensters illustrieren: nach der Tat bittet das Kind seine Mutter um Verzeihung, die ihm auch vergibt und sogar verspricht, die Sache zu vergessen. Aber der Wind bläst weiter durch das zerbrochene Fenster solange, bis der Glaser nicht eine neue Scheibe einsetzt. Ganz abgesehen davon, dass das Kind lernen muss, nicht mehr in Fensternähe Fußball zu spielen. In der Bibel findet man zur Ablasslehre keinen direkten Hinweis, ihre Berechtigung lässt sich jedoch aus der Heiligen Schrift herleiten. Gott hat David seine Schuld vergeben, dennoch musste sein Sohn sterben (vgl. 2 Sam 12, 10-14); Paulus schreibt über die Kirche als einem Leib, in dem „alle Glieder einträchtig für einander sorgen" sollen (1 Kor 12,25). Auch wenn Praxis und Lehre des Ablasses in der westlichen Kirche erst im XII. Jahrhundert entstanden sind, reichen seine Wurzeln doch in das erste Jahrtausend zurück, in dem die Entwicklungsgeschichte des Bußsakraments ihren Anfang nimmt. Der heilige Thomas von Aquin spricht von der „Schatzkammer der Kirche" (taesaurus ecclesiae), die mit den im Himmel aufbewahrten Verdiensten Christi und der Heiligen angefüllt ist und die die Kirche verwaltet. Leider haben die schweren Missbräuche im späten Mittelalter die Ablasspraxis zu einer Geldquelle verkommen lassen. 3 2 Karl RAHNER - Herbert VORGRIMLER, Teológiai Kisszótár, Szent István Társulat Budapest 1980, S.88 3 Wolfgang BEINERT, A katolikus dogmatika lexikona, Vigilia, Budapest 2004, S.72