Folia Theologica 17. (2006)

Michael-Thomas Liske: Monotheismus bei Plotin

160 M-TH. LISKE wird die Einheit nicht dadurch gesprengt, wenn sich diese Kräfte primär beim Einen, in abgeleiteter, sekundärer Form aber auch bei den aus ihm Abgeleiteten, Geist und Seele, finden. In anderer Weise jedoch sprengt Plotin die Einheit und kommt - trotz seiner dezidierten Ablehnung der Gnosis13 - dem gnosti- schen Dualismus angesichts der Materie sehr nahe. Wenn man wie Platon und Aristoteles das Primäre in der Form oder Bestimmtheit sieht, ist ein Dualismus dadurch zu vermeiden, daß man die Mate­rie - das aus sich Ungeformte, Ungeordnete, Unbestimmte - und die Form - das Ordnende, Gestaltende, Bestimmunggebende - als zwei aufeinander verwiesene komplementäre Momente auffaßt. Wenn man mit Plotin hingegen als Prinzip das alle Bestimmungen transzendierende Eine betrachtet, dann gibt es frappierende Paral­lelen zwischen dem Hen und der Materie. So wie das Eine als die geistige Universalursache noch keine der von verursachten Bestim­mungen hat, ist die Materie als Grundlage oder Substrat der gesam­ten Körperwelt selbst noch kein Körper, der wahrnehmbar sein müßte. Damit kommt Plotin wider Willen einem gnostischen Prin­zipiendualismus zumindest sehr nahe. 13 Die Abhandlung II 9 ist thematisch gegen die Gnostiker gerichtet.

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