Folia Theologica 17. (2006)
Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?
DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 109 der Einheit der Wahrheit ekklesiologisch benannt98, um zu einer konsensualen Entscheidung kommen zu können und um negative in konstruktive Differenzen zu verwandeln. Demnach vollzieht sich Ökumene stets „formal" auf einer dogmatischen Diskussionsplattform, und zugleich unausgesprochen „material" im Rahmen eines intuitiv gratialen Dialoggeschehens. Analoges gilt ebenfalls für den interreligiösen Dialog, insofern die noch nicht realisierte Verbreitung des Reiches Gottes als Reich der Liebe, Einheit, Wahrheit in freier Ganzhingabe, Einigung und Wahrhaftigkeit sicherlich keinen „Ist"-Level, sondern einen „SolL'-Zustand resp. divine Zielvorgabe markiert. Dennoch gibt es außerhalb der sichtbaren Grenzen der katholischen Kirche „vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden" (LG 8): „das geschriebene Wort Gottes, das Leben der Gnade, Glaube, Hoffnung und Liebe und andere innere Gaben des Heiligen Geistes und sichtbare Elemente" (UR 3; vgl. LG 15). Der Geist Christi bedient sich dieser Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften als Mittel zum Heil. Ihre Kraft kommt aus der Gnaden- und Wahrheitsfülle, die Christus der katholischen Kirche anvertraut hat. Alle diese Güter stammen von Christus, führen zu ihm (Vgl. UR3) und drängen von selbst „auf die katholische Einheit hin" (LG 8). Für die Pluralität der Religionen gelten demnach analog dieselben Kriterien: ihre Differenz soll konstruktiv, nicht destruktiv durch mutuale Verurteilungen und Isolationen vollzogen werden, um auf diese Weise kraft objektiver formalisierbarer Kriterien zumindest einen Diskussions98 Lehramtlich werden freilich nur allgemeine Richtlinien eines respektvollen ökumenischen Dialogs benannt. Demnach bedarf es: einer dauernden Erneuerung der Kirche in einer größeren Treue zu ihrer Berufung. Diese Erneuerung ist die Triebkraft der Bewegung hin zur Einheit [VgL UR6]; der Bekehrung des Herzens, um nach einem reinen Leben gemäß dem Evangelium zu streben [Vgl. UR7], denn die Untreue der Glieder gegenüber der Gabe Christi verursacht die Trennungen; des gemeinsamen Gebetes, denn „die Bekehrung des Herzens und die Heiligkeit des Lebens ist in Verbindung mit dem privaten und öffentlichen Gebet für die Einheit der Christen als die Seele der ganzen ökumenischen Bewegung anzusehen; sie kann mit Recht geistlicher Ökuine- nismus genannt werden“ (UR8); der gegenseitigen brüderlichen Kenntnis [Vgl. UR9]; der ökumenischen Bildung der Gläubigen und vor allem der Priester [Vgl. ÜR10]; des Gesprächs zwischen den Theologen und der Begegnungen zwischen den Christen der verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften [Vgl. UR4; 9; 11]; der Zusammenarbeit der Christen in den verschiedenen Bereichen des Dienstes am Menschen [Vgl. UR 12].